Was ist das?

Hepatitis D (Delta, HDV) ist ein unvollständiges Virus und alleine nicht funktionstüchtig. Um sich vermehren zu können, benötigt es die Hülle des Hepatitis-B-Virus. Man kann sich also nicht alleine mit Hepatitis D anstecken, nur als so genannte „Koinfektion“ mit Hepatitis B. Eine zusätzliche Infektion mit Hepatitis D kann eine chronische Hepatitis B jedoch deutlich verschlechtern und erhöht das Risiko, dass es zu fortgeschrittener Zirrhose und Komplikationen kommt. Hepatitis D ist das gefährlichste bekannte Hepatitis-Virus.

Wie kann man sich anstecken?

Hepatitis D wird hauptsächlich über den Kontakt von Blut zu Blut übertragen.

Was sind die Symptome?

Ähnlich wie bei Hepatitis B alleine. Bei einer frischen Infektion gibt es oft keine Symptome. Es können leichte, grippeähnliche Symptome auftreten, heller Stuhl, dunkler Urin, Fieber oder eine Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen.

Bei einer chronischen Infektion haben die meisten Betroffenen keine Symptome, bis sie Zirrhose oder Leberkrebs entwickeln. Das häufigste Symptom einer chronischen Hepatitis-B- und -D-Infektion ist Müdigkeit.

Wie wird Hepatitis D diagnostiziert?

Eine Hepatitis-D-Diagnostik ist nur sinnvoll, wenn auch das HBs-Antigen der Hepatitis B nachweisbar ist. HBsAg ist die Hülle des Hepatitis-B-Virus. Das Delta-Virus braucht diese Hülle, um sich zu vermehren.

Bei Verdacht wird zunächst wird auf anti-HDV-Antikörper untersucht. Falls diese positiv sind, benötigt man einen PCR-Test auf HDV-RNA, um zwischen einer ausgeheilten und bestehenden Hepatitis D zu unterscheiden. Dieser Test ist jedoch nur in einigen spezialisierten Labors möglich.

Wie wird Hepatitis D behandelt?

Im August 2020 wurde mit Bulevirtid erstmals ein antivirales Medikament für Hepatitis D zugelassen. Das Mittel behindert den Eintritt von Hepatitis-B- und -D-Viren in die Leberzelle. Es handelt sich um eine längerfristige Therapie mit Injektionen, welche die Virusmenge langsam, aber stetig absenkt. Bisherige Daten weisen auf eine gute Verträglichkeit hin. Als Nebenwirkungen sind uns bisher nur Reaktionen an der Einstichstelle sowie eine Veränderung der Gallensalze im Blut bekannt. Langzeitbeobachtungen werden zeigen, wie die Therapie auf Dauer vertragen wird, ob Resistenzen eine Rolle spielen und wie die Behandlung sich langfristig auf die Hepatitis-D-Infektion auswirkt.

Bisher wurde Hepatitis D mit Peg-Interferon behandelt, welches auch gleichzeitig gegen Hepatitis-B-Infektionen wirken kann. Peg-Interferon ist für Hepatitis B zugelassen. Für Hepatitis D ist Interferon bislang nicht zugelassen und wird dort „off-label“ eingesetzt. Die Wirksamkeit von Interferon alleine ist bei Hepatitis D begrenzt: Etwa 20-30% der Hepatitis-D-Patienten hatten ein halbes Jahr nach der Therapie weiterhin keine messbare Hepatitis-D-Viruslast im Blut. Leider kann es noch Jahre später wieder zum Anstieg der Hepatitis-D-Virusmenge kommen. Antivirale Hepatitis-B-Medikamente wie Entecavir oder Tenofovir wirken nicht gegen Hepatitis D, aber werden als Kombinationstherapien mit Bulevirtid auch für Hepatitis Delta untersucht.

Wie weit ist Hepatitis D verbreitet?

Die gleichzeitige Infektion mit Hepatitis B und D ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz relativ selten.

Wer ist gefährdet?

Nur Menschen mit Hepatitis B. Eine Infektion kann jedoch gleichzeitig mit beiden Viren stattfinden („Simultaninfektion“). Ansteckungsgefahr besteht für Menschen, die häufig wechselnde Sexualkontakte haben; Beschäftigte im Gesundheitswesen, die in Kontakt mit Blut oder Blutprodukten kommen; Neugeborene, deren Mutter infiziert ist; Drogenuser, die Utensilien wie Spritzbesteck oder Röhrchen gemeinsam verwenden. Besonders gefährlich ist die Doppelinfektion, wenn ein Patient zunächst allein eine chronische Hepatitis B hat und dann das Delta-Virus später hinzukommt („Superinfektion“). Die Leber wird hier oft schneller geschädigt als wenn man sich mit beiden Viren gleichzeitig infiziert.

Sind Hepatitis-B/D-Patienten eine Risikogruppe für Covid-19?

Ob eine chronische Hepatitis-B/D-Infektion allein das Risiko schwerer Covid-19-Verläufe beeinflusst, ist noch offen. Sorge besteht spätestens dann, wenn die Infektion zu einer fortgeschrittenen Lebererkrankung führt: Es gibt deutliche Hinweise, dass Zirrhosepatienten und Lebertransplantierte ein erhöhtes Risiko für schwere und tödliche Covid-19-Verläufe haben.

Das Robert-Koch-Institut listet derzeit „chronisch Leberkranke“ als Risikogruppe auf und unterscheidet dabei nicht nach Krankheitsursache oder Stadium der Leberschädigung. (Stand: 7. August 2020)

Aktuelle Informationen zum neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 bei Leberkranken finden Sie auf unserer Webseite unter https://www.leberhilfe.org/coronavirus/

Wie kann man sich vor Hepatitis D schützen?

Wer erfolgreich gegen Hepatitis B geimpft ist, kann auch keine Hepatitis D bekommen. Safer Sex, Schutzhandschuhe bei Kontakt mit fremdem Blut. Vergossenes Blut mit Desinfektionsmittel (z.B. Sterillium) entfernen. Keine scharfkantigen Hygienegegenstände benutzen, wie Zahnbürsten, Nadeln oder Rasierklingen.

 

Köln | 8/2020 | Redaktion Leberhilfe

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