Was ist Alpha-1-Antitrypsinmangel (AATM)?

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM) ist eine genetisch veranlagte Stoffwechselerkrankung. Alpha-1-Antitrypsin ist ein Proteasehemmer, der vom Körper produziert wird: Er schützt das Gewebe (insbesondere die Lunge) vor dem vorzeitigen Abbau durch Enzyme. Alpha-1-Antitrypsin wird in der Leber produziert und in die Blutbahn abgegeben. Bei AATM ist die Ausschüttung aus der Leber gestört. Daraus resultieren die beiden Ausprägungen der Erkrankungen: Patienten mit Lungenbeteiligung weisen oftmals ein Emphysem auf, bei einer Leberbeteiligung wird eine Lebervernarbung (Fibrose) bis hin zur Zirrhose beobachtet.

Warum bekommen manche Menschen AATM?

Der AATM ist eine erblich bedingte Erkrankung. Der schwere AATM wird rezessiv vererbt. Rezessive Vererbung bedeutet, dass zwei kranke Genkopien vererbt werden müssen, jeweils eine von der Mutter und eine vom Vater. Die gesunde Variante des Alpha1-Antitrypsin-Gens wird „PiM“ genannt. Beim AATM liegen krankhafte Veränderungen vor, die bekannteste  wird als „PiZ-Variante“, die zweit wichtigste als „PiS-Variante“ bezeichnet. Der klassische schwere AATM entsteht, wenn zwei PiZ-Varianten im Alpha1-Antitrypsin-Gen vorliegen: Diese Patienten werden als „Pi*ZZ“ bezeichnet und haben ein deutlich erhöhtes Risiko, eine Lungen- oder Lebererkrankung zu entwickeln.

Anders ist es bei den Patienten mit einer gesunden und einer kranken Genkopie. Diese wiederum haben nur ein leicht erhöhtes Risiko für eine Lungen- oder Lebererkrankung. Da die gesunde Variante des Alpha1-Antitrypsin-Gens „PiM“ genannt wird und eine kranke Genkopie PiZ heißt, wird die relevanteste, leichte Ausprägung des AATMs als „Pi*MZ“ bezeichnet.

In welchem Alter tritt AATM-bedingte Lebererkrankung auf?

Die AATM-bedingte Lebererkrankung ist eine chronische Erkrankung. Sie verläuft typischerweise schleichend über viele Jahre. Bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung kann es aber auch zu einer schnellen Verschlechterung kommen. Bei betroffenen Kindern weiß man von zwei Häufigkeitsgipfeln mit klinisch auffälliger Erkrankung: Einmal in der frühen Kindheit und der zweite Gipfel in der Adoleszenz. Kinder zeichnen sich durch Gelbsucht (Ikterus) aus. Bei Erwachsenen können zunächst erhöhte Leberwerte auffallen, später dann Zeichen einer beginnenden Leberzirrhose mit Müdigkeit, Gelbsucht und ggf. Bauchwasser.

Was sind mögliche Symptome?

Am häufigsten zeigt sich die Erkrankung in der Lunge. Patienten klagen über Luftnot und verminderte Leistungsfähigkeit. Klinisch auffällig werden die Patienten im Alter von 20-40 Jahren mit chronischem Husten. Unabhängig davon findet sich bei einigen Patienten gleichzeitig eine Leberbeteiligung. Hier können eine Müdigkeit und Gelbsucht hinweisend sein. Oftmals fallen diese Patienten aber mit unerklärlich erhöhten Leberwerten im Blut bei einer Routineuntersuchung beim Hausarzt auf.

Was sind mögliche Komplikationen?

Bei vorbekanntem AATM ist es wichtig, die Patienten mit einer Leberbeteiligung frühzeitig zu erkennen und weitere Risikofaktoren auszuschließen und/oder zu behandeln. Patienten sollten nicht rauchen, um ihre Lunge zu schützen. Zum Schutz der Leber wird ein Verzicht auf leberschädigende Substanzen wie Alkohol und leberbelastende Medikamente empfohlen.

In schweren Fällen kann es nötig sein, die Lungensymptomatik mit Heimsauerstoff zu behandeln. Des Weiteren werden Sprays verwendet, die der Verengung der Luftwege entgegenwirken. Langfristig kann jedoch eine Transplantation der Leber oder Lunge als letztes Mittel notwendig werden.

Wie diagnostiziert man AATM?

Man kann den AAT-Spiegel im Serum bestimmen. Dieser ist bei einem schweren AATM deutlich erniedrigt, bei einem leichten AATM werden leicht erniedrigte oder niedrig normale Spiegel gemessen. Eine endgültige Diagnose wird mit Hilfe einer genetischen Analyse gestellt. Dies erfolgt ebenfalls über eine Blutabnahme.

Wie häufig ist Alpha-1-Antitrypsinmangel?

Etwa einer von  2.000 bis 4.000 Menschen hat einen schweren Alpha-1-Antitrypsinmangel (Pi*ZZ).

Wie behandelt man AATM?

Bisher ist die einzig heilende Therapie eine Transplantation. Bevor diese aber fällig wird, ist die Gabe von extern zugeführtem Alpha-1-Antitrypsin möglich, um einer Verschlechterung der Lungensymptomatik entgegenzuwirken. Dadurch kann man den Erkrankungsprozess verlangsamen. Für die Leberschädigung durch AATM gibt es zur Zeit keine zugelassene medikamentöse Therapie.

Künftige Therapien?

An Medikamenten für AATM wird aktiv geforscht. Aktuell befindet sich ein erstes Medikament für die Lebererkrankung in einer Phase-II- Studie, andere Studien sollen in Kürze folgen.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen finden Sie beim das Alpha1-Leberzentrum in Aachen sowie beim Verein Alpha 1 Deutschland e.V.

Aachen/Köln | 1/2020 | PD Dr. Pavel Strnad, cand. med. Barbara Burbaum, cand. med. Malin Fromme, Prof. Dr. Christian Trautwein, Universitätsklinikum Aachen

 

 

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