19. Januar

Coronavirus: Infos für Leberkranke, Links und Anlaufstellen

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu COVID-19 und Lebererkrankungen. Die Situation bleibt dynamisch. Wir aktualisieren diese Rubrik regelmäßig, wenn wir hierzu Neuigkeiten erfahren.

19. Januar 2021: Zwei Impfstoffe gegen das neuartige Coronavirus sind mittlerweile in der EU zugelassen. Die Deutsche Leberhilfe e.V. befürwortet die Impfung auch für Leberkranke, obwohl die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit weiter beobachtet werden muss. Viele Leberkranke unter 70 Jahren müssen aber voraussichtlich noch Wochen oder gar Monate warten, bis ihnen eine Impfung angeboten wird. Ob infizierte Leberkranke ein höheres Risiko von schweren COVID-19-Verläufen haben, scheint hauptsächlich von der Schwere der Lebererkrankung und eventuellen Begleiterkrankungen abzuhängen. Bei Lebererkrankungen im Frühstadium ist der Einfluss von COVID-19 auf die Leber noch nicht geklärt. Bei schweren COVID-19-Verläufen werden häufiger auch erhöhte Leberwerte beobachtet, wenn die Betroffenen keine Vorerkrankung der Leber hatten; nach der Genesung bilden sich Leberwerte in der Regel bei diesen Betroffenen wieder zurück.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Erkrankung COVID-19 breitet sich weiterhin auf dem ganzen Globus aus. Eine bis zu 70% ansteckendere Mutation des neuartigen Coronavirus hat sich in den vergangenen Wochen in Großbritannien ausgebreitet und auch Deutschland erreicht. Aus Südafrika hat sich eine weitere Virusmutation ausgebreitet, welche ebenfalls ansteckender ist und noch stärker mutiert zu sein scheint.

In Deutschland sind die Fallzahlen und Klinikeinweisungen bereits seit dem Spätherbst erheblich angestiegen, was Mitte Dezember einen erneuten Lockdown zur Folge hatte.

Während ein Teil der Betroffenen nur geringe Symptome aufweist, ist von zahlreichen klinisch schweren Verläufen bis hin zu Todesfällen berichtet worden, aber auch möglicherweise bleibenden Gesundheitsschäden nach sogenannten „milden Verläufen“. Wie man mittlerweile weiß, gefährdet SARS-CoV-2 nicht nur die Lunge: Andere Organe wie die Nieren, das Herz und das Gehirn können ebenfalls geschädigt werden.

Bei Lebererkrankungen scheinen insbesondere Menschen ge­fährdet zu sein, deren Organ schon stärker geschädigt ist. Zirrhosepatienten und Menschen mit Leberzellkrebs sind besonders bedroht, und das Sterberisiko wächst bei dekompensierter Zirrhose. Atemversagen ist auch für Leberpatienten die häufigste Todesursache bei COVID-19, doch es wurden auch einige Todesfälle durch Leberversagen berichtet.

Erkannt wurde weiterhin, dass Blutgerinnsel bei schweren Krankheitsverläufen offenbar eine wichtige Rolle spielen. Blutverdünnende Mittel werden daher bei schweren Verläufen regelmäßig eingesetzt. Bei tödlichen Verläufen ist Atemversagen die häufigste Ursache; mitunter können jedoch auch Herzinfarkte und Schlaganfälle entstehen, die ebenfalls lebensgefährlich sind.

Häufig ist das Virus nach wenigen Wochen nicht mehr messbar und Betroffene werden als „genesen“ eingestuft. Es mehren sich jedoch Hinweise, dass einige dieser Menschen noch lange nicht gesund sind. Trotz negativem Virustest erleben diese mitunter noch Monate später weiterhin Atemnot, Übelkeit, Schwäche und chronische Erschöpfung. Möglich ist dies auch für Menschen nach sogenannten „milden“ Verläufen. Der Genesungsprozess kann dennoch, wenn auch verlangsamt, weiterlaufen. Ob einige Menschen dauerhaft Folgen von der Infektion zurückbehalten, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Die genauen Ursachen für solche bleibenden Symptome sind noch nicht erkannt und werden erforscht. Diskutiert werden sowohl bleibende Zellschädigungen z.B. in der Lunge oder im Gehirn, welche ggf. durch überschießende Immunreaktionen verursacht sein könnten. Ebenfalls diskutiert wird die Rolle der o.g. Blutgerinnsel, die durch die Infektion entstehen können und möglicherweise langfristige Schäden verursachen können.

Diese Zusammenhänge werden künftig auch wissenschaftlich untersucht. Hierzulande wurde die COVIDOM-Studie gestartet, welche die Folgesymptome und Nachwirkungen von COVID-19-Erkrankungen untersucht. In den USA hat die Open Medicine Foundation ebenfalls ein Forschungsprojekt zu diesem Thema begonnen.

 

Erste Impfstoffe in der EU zugelasssen

Am 21. Dezember wurde ein erster mRNA-Impfstoff der Firmen BioNTech/Pifzer gegen SARS-CoV-2 in der EU zugelassen, die Zulassung eines weiteren mRNA-Impfstoffes der Firma Moderna erfolgte am 6. Januar.

Erste Impfungen von besonders gefährdeten Gruppen wie Senioren im Pflegeheimen und Intensivpersonal haben ab dem 27. Dezember begonnen.

In Studien konnten beide Impfstoffe in etwa 95% der Fälle einen Schutz erreichen. Es gibt erste positive Hinweise, dass die Impfstoffe wahrscheinlich auch gegen die neuen Mutationen des SARS-CoV-2-Virus aus Großbritannien und Südafrika schützen werden.

RNA-Impfstoffe enthalten keine aktiven Bestandteile von Viren, sondern geben Körperzellen den Auftrag, bestimmte Antigene (die zum Virus gehören) selbst herzustellen: Die Körperzellen produzieren dann das Spike-Protein des Virus. Das Immunsystem erkennt dieses als fremd und produziert Antikörper, die dann auch gegen eine echte Infektion schützen. Sprich: Mit einer mRNA-Impfung wird man nicht „infiziert“, auch nicht in abgeschwächter Form.

Auch künftig verfügbare Corona-Impfstoffe werden keine Lebendimpfungen sein.

Die ersten Impfstoffe sind zunächst nur begrenzt verfügbar. Patienten unter 70 Jahren mit anfänglicher Lebererkrankung werden laut STIKO (Ständige Impfkomission) wohl erst als vierte von sechs Bevölkerungsgruppen eine Impfung angeboten bekommen. Organtransplantierte gehören zur dritten Prioritätengruppe, Menschen ab 75 zur zweiten und Menschen ab 80 zur ersten Gruppe. Weitere gefährdete Personen wie z.B. Einwohner und Personal in Pflegeheimen, Intensivpersonal, Rettungsdienste etc. sollen ebenfalls bevorzugt geimpft werden. Eine detaillierte Übersicht finden Sie hier auf der Seite des Robert-Koch-Instituts.

Zur Vergabe der ersten, knappen Impfstoffe werden aktuell in ganz Deutschland sogenannte Impfzentren eingerichtet. Voraussichtlich werden Menschen zunächst schriftlich benachrichtigt, wenn eine Impfung für sie zur Verfügung steht; die Verteilung und Organisation kann jedoch je nach Gemeinde und Bundesland variieren.

Uns erreichten bereits im November Fragen von Patienten: Soll ich mich impfen lassen? Soll ich noch warten? Sind die Impfstoffe sicher? Oder könnten diese gar meine Lebererkrankung verschlechtern?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. befürwortet die neuartigen Coronavirus-Impfungen für chronisch Leberkranke. Auf einem Impfsymposium der medizinischen Hochschule Hannover am 28. November wurden die neuartigen Schutzimpfungen ebenfalls diskutiert und von den anwesenden Experten befürwortet. Auch auf der Abschlusskonferenz des amerikanischen AASLD-Leberkongresses im November erklärte Professorin Tamar Taddei aus Yale/USA, dass insbesondere Hochrisiko-Patienten mit Zirrhose, Leberzellkrebs oder alkoholischer Lebererkrankung bevorzugt eine Impfung angeboten werden sollte. Eine offizielle Stellungnahme von hepatologischen Fachverbänden zur Impfung liegt jedoch noch nicht vor.

Bekannt sind vorübergehende, Impfstoff-typische Nebenwirkungen: Druckgefühl und Schmerzen an der Einstichstelle sind möglich, ebenso vorübergehende grippeähnliche Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit. Letzteres wird von einigen Experten sogar als erwünschte Reaktion gesehen: Denn es zeigt, dass das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert.

Allergische Reaktionen gegen Inhaltsstoffe sind insbesondere bei Menschen mit einer entsprechenden Neigung eine mögliche Komplikation. Diese scheinen jedoch selten zu sein.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC berichtete am 6. Januar, dass es bei 1.893.360 Impfungen mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer insgesamt 175 Fallberichte mit Verdacht auf starke allergische Reaktionen gab. In 21 dieser Fälle kam es zu einem anaphylaktischen Schock (dies entspricht 11 Fällen auf eine Million Impfdosen). Ein anaphylaktischer Schock ist eine lebensgefährliche allergische Reaktion, die bei schnellem Eingreifen gut behandelbar ist. Für eine der 21 Personen liegen keine Informationen zum weiteren Verlauf vor, die 20 Betroffenen mit bekanntem Verlauf haben sich wieder vollständig erholt. Laut CDC traten 71% der Komplikationen innerhalb von 15 Minuten nach der Impfung auf (Zeitrahmen: 2 – 150 Minuten). 17 der 21 Betroffenen hatten eine Vorgeschichte starker allergischer Reaktionen und 7 eine Vorgeschichte mit anaphylaktischen Schocks.

Für den etwas später zugelassenen Impfstoff der Firma Moderna liegen bisher nur wenige Informationen vor, das CDC sprach im gleichen Bericht von bisher einem bekannten Fall einer allergischen Reaktion.

Wer eine Vorgeschichte von schweren allergischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) auf Impfstoffe, Medikamente, oder Nahrungsmittel hat, sollte  vorsichtig sein und sich individuell beraten lassen. Ähnliches gilt für Menschen mit Gerinnungsstörungen. Wenn Menschen mit solchen Risikofaktoren sich dennoch für eine Impfung entscheiden, sollten diese laut STIKO länger und bis zu 30 Minuten nachbeobachtet werden; bei anderen Geimpften ist nach der Impfung eine Nachbeobachtung über 15 Minuten üblich.

Über lebertoxische oder autoimmune Komplikationen ist uns bisher nichts bekannt. Nach aktuellem Stand können und sollten auch Patienten mit Zirrhose und/oder autoimmunen Lebererkrankungen (PBC, AIH, PSC) sich künftig impfen lassen.

Millionen von Menschen haben bereits die neuartigen mRNA-Impfstoffe erhalten und es liegen mittlerweile Nachbeobachtungszeiten von mehreren Monaten vor. Dies lässt hoffen: Wenn Komplikationen von Impfstoffen auftreten, sieht man diese meist in den ersten Monaten. Spätere Komplikationen sind jedoch nicht immer auszuschließen. Zudem kann es sein, dass seltene Nebenwirkungen erst erkannt werden, wenn Millionen von Menschen die Impfung erhalten.

Die Sicherheit der neuen Impfstoffe wird laufend weiter überwacht. Im Falle von neuen Nebenwirkungen oder Komplikationen sollte eine Nebenwirkungsmeldung an das Paul Ehrlich Institut gemacht werden.

Offen ist noch die Frage, ob die neuen Impfstoffe eine Infektion vollständig verhindern oder eher vor schweren Verläufen schützen. Wir halten einen Immunschutz gegen das neue Coronavirus für wichtig, insbesondere für schwer Leberkranke. Wenn Sie chronisch leberkrank sind, empfehlen wir Ihnen daher, über eine Impfung nachzudenken und die möglicherweise bevorzugte Impfmöglichkeit wahrzunehmen. Besprechen Sie vorher Ihre Vorerkrankungen und eventuell vorliegende Allergien: Lassen Sie sich in Ihrer Praxis, Klinik oder Impfzentrum über Nutzen und Risiken beraten und verfolgen Sie auch die aktuelle Berichterstattung. Meiden Sie soziale Medien und Messengerdienste als Informationsquelle zu Covid-19 und Impfungen, da hier oft Falschinformationen verbreitet werden.

 

Kein Zweifel mehr: Masken schützen!

Wesentlich klarer geworden ist der Nutzen von Schutzmasken, deren Effektivität bei Selbst- und Fremdschutz im März noch umstritten war: Wie man inzwischen weiß, können selbst einfache Behelfsmasken das Risiko einer Ansteckung wesentlich reduzieren. Das neuartige Virus wird häufig über Aerosole übertragen, kann also in schwebenden Tröpfchen in der Luft längere Zeit überdauern und eingeatmet werden. Das Gewebe von Masken ist zwar nicht dicht genug, um Viren direkt zu blockieren, allerdings können sie Tröpfchen in der Luft abhalten. Da Viren nicht frei in der Luft schweben, sondern in der Regel an Tröpfchen gebunden sind, sind Mund-Nasen-Schutzmasken sehr wirkungsvoll.

Mittlerweile gibt es beeindruckende Fallberichte, wie erfolgreich Masken vor einer Infektion schützen. In einem Café in Südkorea steckte eine einzige Besucherin 27 Gäste an, die wiederum rund drei Dutzend weitere Menschen infizierten. Die Besucherin saß unter einer Klimaanlage, welche ihre ausgeatmeten Aerosole im ganzen Raum verteilte. Verschont blieben jedoch die vier Mitarbeiter des Cafés, die Masken trugen. Welche Art von Masken dies war, ist nicht bekannt. In einem anderen Fall konnten Masken wohl einen größeren Ausbruch verhindern: Zwei Friseurangestellte in den USA hielten ihre COVID-19-Symptome zunächst für eine einfache Erkältung und schnitten über acht bis zehn Tage weiter die Haare. Sowohl Kunden als auch die Angestellten trugen dabei jedoch wie vorgeschrieben ihre Masken. Meist waren dies Behelfsmasken aus Stoff oder einfache Chirurgiemasken, in einigen Fällen auch N95-Masken (FFP2). Keiner der 139 Kunden scheint angesteckt worden zu sein, wie die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC berichtete. In ihrem privaten Umfeld (wo keine Masken getragen wurden) steckte eine der beiden Angestellten dagegen vier Menschen an.

 

COVID-19 und Lebererkrankungen

COVID-19 war auch ein heiß diskutiertes Thema des europäischen EASL-Leberkongresses vom 27. bis 29. August 2020. Die ursprünglich für April in London geplante Veranstaltung wurde aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt und Ende August als Online-Veranstaltung nachgeholt. Die wichtigsten neuen Erkenntnisse in Kurzform:

  • Eine Sorge hat sich bestätigt: Zirrhosepatienten sind eine Hochrisikogruppe für schwere COVID-19-Verläufe.
  • Halbe Entwarnung: Lebertransplantierte stecken sich häufiger mit dem Coronavirus an, scheinen aber nicht deutlich öfter schwer zu erkranken als die Allgemeinbevölkerung.
  • Keine übertriebene Angst vor Immunsuppressiva: Dies gilt sowohl für Lebertransplantierte als auch Patienten mit autoimmuner Hepatitis und anderen Erkrankungen.
  • Patienten mit Fettlebererkrankungen haben häufiger schwere COVID-19-Verläufe. Dies liegt zum einen an häufigen Begleiterkrankungen wie Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Zudem wird diskutiert, ob die Fettleber selbst einen Einfluss haben könnte.

Im August haben die europäischen Fachverbände EASL und ESCMID auch ihre Empfehlungen für COVID-19 bei Lebererkrankungen aktualisiert. Diese nehmen detailliert zu einzelnen Lebererkrankungen und COVID-19 Stellung, soweit inzwischen Informationen vorliegen. Für einige Erkrankungen fehlen entsprechende Daten noch.

Im November 2020 fand der amerikanische AASLD-Leberkongress ebenfalls als Online-Veranstaltung statt. Hier wurden neben Zirrhosepatienten auch Betroffene mit Leberzellkrebs sowie Menschen mit alkoholbedingter Lebererkrankung als besonders gefährdet eingestuft.

 

Nicht jede Lebererkrankung erhöht das Risiko

Wie EASL und ESCMID feststellen, erhöht nicht jede chronische Lebererkrankung das Risiko, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren oder einen schweren Verlauf zu haben: Dies hängt eher von der Schwere der Lebererkrankung oder ihren Begleit­umständen ab.

Das Robert Koch-Institut (RKI) listet verschiedene Risikofaktoren für schwere Covid-19-Verläufe auf: Neben höherem Lebensalter, Adipositas und Rauchen nennt das RKI dabei auch Grunderkrankungen verschiedener  Organe wie Herz, Lunge, Niere und Leber. Allerdings nimmt das RKI keine generelle Einstufung in Risikogruppen mehr vor. Aufrund der Komplexität der verschiedenen Faktoren ist laut RKI „eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe nicht möglich. Vielmehr erfordert dies eine individuelle Risikofaktoren-Bewertung, im Sinne einer (arbeits-)medizinischen Begutachtung.“ (Stand 29.10.2020)

 

COVID-19 und nicht-alkoholische Fettleber­erkrankungen (NAFLD)

Bei Patienten mit nicht-alkoholischen Fettlebererkrankungen sieht man häufiger schwere Verläufe, und mitunter scheinen diese länger ansteckend zu sein.

Eine Analyse aus China mit 202 Fettleberpatienten zeigte, dass diese häufiger an Atemnot und Sauer­stoffmangel litten und auch radiologische Bilder der Lunge ungünstiger aussahen, als bei Menschen ohne Fettleber.

Es ist zurzeit noch nicht unterscheidbar, ob die Fettleber allein schon ein Risikofaktor ist oder ob dies eher an Begleiterkrankungen liegt: Viele Fettleberpatienten sind älter und leiden gleichzeitig an einem metabolischen Syndrom mit Übergewicht, Bluthochdruck und Insulinresistenz. All dies sind bekannte Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe.

Komplikationen wurden jedoch auch häufiger bei jüngeren Fettleberpatienten gesehen, die keinen Diabetes hatten. Andererseits scheinen aber einige typische Genveränderungen, die man eher bei Fettleberpatienten findet, nicht das Risiko bei COVID-19 zu erhöhen (vgl. Lebenszeichen 2/2020).

Es bleiben in diesem Bereich also noch viele Fragezeichen. Dass Begleiterkrankungen ein Risikofaktor sind, ist klar. Ob die Fettleber an sich vielleicht ebenfalls einen unabhängigen Risikofaktor darstellt, wird nun aber intensiver diskutiert als noch vor einigen Monaten.

Was sollten NAFLD-Patienten beachten? Falls Sie an Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Übergewicht leiden, sorgen Sie dafür, dass diese möglichst optimal eingestellt sind. Medikamente gegen Bluthochdruck sollten weiter wie vorgeschrieben eingenommen werden; derzeit gibt es keine Hinweise, dass diese Mittel bei COVID-19 von Nachteil sind.

Die Corona-Krise schafft leider Voraussetzungen, die Übergewicht und Fettleber begünstigen: Soziale Isolation, schlechte Stimmung und langes Sitzen zu Hause verführen auch dazu, mehr süße und fettige Snacks zu konsumieren. Vermeiden Sie es, sich große Vorräte an Snacks anzulegen. Achten Sie auf Ihre Ernährung und versuchen Sie, sich ausreichend zu bewegen; wenn Sie keinen Sport betreiben, gehen Sie spazieren oder machen Sie gymnastische Übungen, soweit Ihnen dies möglich ist und gut tut.

 

COVID-19 und Virushepatitis

Bislang gibt es keine eindeutigen Hinweise, dass eine chronische Virushepatitis B oder C alleine das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe erhöht. Wenn bereits eine Zirrhose vorliegt, ist diese jedoch ein Risikofaktor: Dies gilt für Virushepatitis ebenso wie für andere Lebererkrankungen.

Was sollten Patienten mit Virushepatitis beachten? Wenn Sie bereits Hepatitis-Medikamente einnehmen, nehmen Sie diese bitte weiterhin wie vorgeschrieben ein.

Wenn Sie aktuell nicht an COVID-19 leiden und eine antivirale Tablettentherapie gegen Ihre Hepatitis B oder C geplant ist, legen Sie gerne wie geplant los damit!

Hepatitis-B-Patienten werden in Einzelfällen noch mit Peg-Interferon behandelt. Eine Interferon-Therapie sollte laut EASL/ESCMID während der COVID-19-Pandemie lieber nicht gestartet werden: Interferon befeuert das Immunsystem, und es ist nicht klar, wie sich dies im Fall einer COVID-19-Erkrankung auswirkt. Bei schweren COVID-19-Verläufen hat man den Verdacht, dass Überreaktionen des Immunsystems zu den entzündlichen Vorgängen beitragen.

Falls Sie derzeit an COVID-19 leiden, kann der Start einer antiviralen Hepatitis-Therapie meist ein paar Wochen warten, bis Sie wieder genesen sind. In dringenden Fällen kann mit den behandelnden Ärzten im Einzelfall entschieden werden, eine Hepatitis-Therapie auch schon während einer COVID-19-Erkrankung zu starten. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn eine akute oder chronische Hepatitis-B-Infektion zu schweren Entzündungsschüben in der Leber führt.

Eine Hepatitis-B-Infektion kann wieder aktiv werden (reakti­vie­ren), wenn Menschen immunsuppressiv behandelt werden. Dies ist auch bei unauffälliger oder gar „ausgeheilter“ Hepati­tis B möglich, da das Virus seine DNA dauerhaft im Kern der Leberzellen hinterlässt. Falls eine schwere COVID-19-Erkrankung mit Immunsuppressiva behandelt wird (z.B. Cortico­steroide, Tocilizumab u.Ä.), sollte eine Hepatitis-B-Infektion ggf. vorsorglich mit antiviralen Medikamenten mitbehandelt werden.

Generell mahnt EASL, trotz Corona-Krise am WHO-Ziel festzuhalten, Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 einzudämmen. Hierfür sollten Test- und Behandlungsangebote für Hepatitis-B- und -C-Patienten weiterhin aufrechterhalten werden.

 

COVID-19 und cholestatische/autoimmune Lebererkrankungen

Für Patienten mit cholestatischen Erkrankungen PBC, PSC und IgG4-Cholangitis sind derzeit keine speziellen Aussagen zum Verlauf von COVID-19 möglich: Auch die Fachverbände EASL und ESCMID weisen darauf hin, dass hier ein Mangel an Daten herrscht. Für alle Patienten mit autoimmunen Lebererkrankungen empfehlen sie jedoch eine Impfung gegen Grippe und Pneumokokken.

Ausführlicher nehmen die Fachverbände Stellung zur autoimmunen Hepatitis. Viele AIH-Patienten sind besorgt, mit ihren Immunsuppressiva vermeintlich ihre Abwehr gegen COVID-19 zu schwächen. In der Regel ist es klüger, die Immunsuppressiva unverändert weiter einzunehmen, so EASL/ESCMID. Dies gilt insbesondere für AIH-Patienten, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert sind.

Nur bei bestimmten Komplikationen sei es sinnvoll, überhaupt über eine Dosisreduktion nachzudenken. Ein solcher Fall kann vorliegen, wenn die Medikamente einen Mangel an Lymphozyten verursachen oder wenn schwer kranke COVID-19-Patienten zusätzlich eine Bakterien- oder Pilzinfektion erleiden. Auch hier muss die Entscheidung jedoch im Einzelfall mit erfahrenen Fachärzten gefällt werden. Ein komplettes Absetzen der Immunsuppressiva wird auch dann nicht empfohlen, da sonst die AIH wieder aufflammen und mitunter sehr schwer verlaufen kann.

Freund oder Feind? Die Rolle von Immunsuppressiva bei COVID-19 ist noch nicht abschließend geklärt. Bei schwer kranken COVID-19-Patienten, welche eine Sauerstofftherapie benötigen oder künstlich beatmet werden, können Immunsuppressiva Leben retten und verlängern. Gezeigt wurde dies für Dexamethason und Hydrokortison (Studie aus Jena).

Andererseits gibt es Sorge, dass Menschen, die bereits Cortico­steroide in hoher Dosis einnehmen, ggf. infektanfälliger sind und eher einen schweren COVID-19-Verlauf erleiden könnten. Daher empfehlen die Fachverbände, bei AIH bevorzugt Budesonid statt Prednisolon als Ersttherapie einzusetzen, soweit dies aufgrund des Erkrankungsverlaufs möglich ist oder diese keine Kontraindikation durch eine Zirrhose haben.

Wenn Patienten unter Corticosteroiden an COVID-19 erkranken, sollte dennoch eine ausreichende Dosis aufrechterhalten werden, um eine Nebennieren-Insuffizienz zu verhindern.

Nachdem es im Juni Erfolgsmeldungen zum Immunsuppressivum Dexamethason bei COVID-19 gab, könnten sich einige AIH-Patienten fragen: Wäre es besser, wenn ich dieses Medikament bekäme? So einfach ist es jedoch nicht: Eine Hochdosistherapie mit Steroiden zeigte ihre positiven Effekte bisher nur bei schwer kranken COVID-19-Patienten, die auf der Inten­siv­station Sauerstoff erhielten oder beatmet wurden. Daher empfehlen auch EASL und ESCMID, nur in solchen klinisch schweren Fällen auf Dexamethason (bzw. andere Medikamente) zu wechseln oder dieses zur AIH-Therapie hinzuzunehmen.

Die Impfempfehlungen für Grippe und Pneumokokken gelten auch für AIH-Patienten.

 

COVID-19 und alkoholbedingte Leberkrankheiten

Alkoholsucht ist ein Teufelskreis, der auch vor COVID-19 nicht Halt macht. So sind Menschen mit chronischem Alkoholmissbrauch deutlich gefährdeter, bei COVID-19 eine schwere Atemwegserkrankung zu entwickeln. Andererseits führt die Corona-Krise vermehrt zu sozialer Isolation, Depressionen und Ängsten – was wiederum zu erhöhtem Alkoholkonsum führen kann.

Insbesondere wenn die Corona-Krise (wieder) zu Einschränkungen des öffentlichen Lebens führt, rechnen die Fachverbände mit mehr Komplikationen durch Alkohomissbrauch: Sowohl während als auch nach Phasen der sozialen Isolation sei zu erwarten, dass mehr Patienten mit dekompensierter Alkoholzirrhose oder schwerer akuter Alkoholhepatitis auf den Intensivstationen landen.

Hochdosierte Corticosteroide sollen bei COVID-19 nur bei schweren Verläufen eingesetzt werden; andererseits werden sie mitunter bei akuter Alkoholhepatitis eingesetzt. Dieses Dilemma sollte bedacht und im Einzelfall entschieden werden, wenn bei Patienten mit akuter Akoholhepatitis über eine solche hochdosierte Steroidtherapie nachgedacht wird.

Verschärft wird der Alkoholmissbrauch auch durch Fehlinformationen im Internet, dass Alkohol vermeintlich gegen SARS-CoV-2 schütze. EASL und ESCMID weisen Ärzte darauf hin, dieses falsche Gerücht auf dem Schirm zu haben und ihre Patienten bei Bedarf aufzuklären.

 

COVID-19 und Leberzirrhose

Zirrhosepatienten werden von der Corona-Krise gleich doppelt getroffen: Zum einen sind sie stärker durch schwere und tödliche Verläufe von COVID-19 gefährdet, zum anderen ist möglicherweise die regelmäßige Betreuung ihrer schweren Lebererkrankung nur eingeschränkt möglich.

Auf dem digitalen EASL-Kongress stellte der britische Arzt Dr. Thomas Marjot Zahlen vor, welche die Gefährdung für Zirrhosepatienten noch einmal verdeutlichten. Die Daten waren aus dem SECURE-Cirrhosis Registry und dem COVID HEP Registry gesammelt. Von 1.027 Leberkranken mit COVID-19 hatten 506 eine Zirrhose. Bei fast der Hälfte der Zirrhosepatienten (46%) gab es mindestens ein Ereignis, bei dem sich die Leberfunktion verschlechterte – meist ein Wasserbauch (Aszites) oder eine Hirnfunktionsstörung (Hepatische Enzephalopathie). Je weiter die Zirrhose vorangeschritten war, desto höher waren die Risiken von COVID-19. Bei dekompensierter Zirrhose (Child-Pugh C) und COVID-19 verließ nur jeder fünfte Patient die Intensivstation wieder lebend; wenn eine Beatmung nötig wurde, überlebte nur jeder zehnte.

Über zwei Drittel der Todesfälle (71%) waren durch die Lungenentzündung bedingt, 19% durch Leberkomplikationen und 5% durch Herzversagen.

Dies zeigt, dass Zirrhosepatienten in der Corona-Krise eine besonders schutzbedürftige Risikogruppe sind.

Die Fachverbände EASL und ESCMID empfehlen eindringlich: „Es sollte alles versucht werden, um Patienten mit Zirrhose bestmöglich und leitliniengerecht zu behandeln.“

Zirrhosepatienten, welche sich mit SARS-CoV-2 infizieren, haben ein hohes Risiko von schweren Verläufen. Das größte Risiko droht auch hier von der Lunge her, denn wenn es zum Tod kam, war meist Atemversagen der Grund. Es gibt jedoch auch bestürzend viele Betroffene, deren Zirrhose unter COVID-19 dekompensiert.

Aus diesem Grund gilt: Jeder Zirrhosepatient, dessen Leberfunktion sich plötzlich verschlechtert, sollte dringend auch auf SARS-CoV-2 getestet werden – selbst wenn es keine Anzeichen von Atemnot oder anderen Lungenproblemen gibt. Zudem sollten alle Zirrhosepatienten mit COVID-19 zügig in eine Klinik eingeliefert werden.

Wichtig ist in Kliniken, dass sich die Wege von Menschen mit und ohne COVID-19 nicht kreuzen. Dies gilt umso mehr für Le­berpatienten, die mit Zirrhosekomplikationen in die Klinik müssen.

Bei bestimmten Zirrhosekomplikationen wie z.B. Varizenblutungen werden mitunter gefäßverengende Medikamente (Vasokonstriktoren) eingesetzt. Diese sind jedoch bei schwerer COVID-19-Erkrankung sehr heikel, weil sie die Herz- und Lungenfunktion zusätzlich beeinträchtigen können. EASL und ESCMID raten daher zu großer Vorsicht mit solchen Mitteln, wenn Patienten sowohl aufgrund von Zirrhose als auch COVID-19 ernst erkrankt sind.

Auch bei Zirrhosepatienten werden Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken empfohlen.

 

COVID-19 und Lebertransplantation

Patienten auf der Warteliste zur Lebertransplantation haben in der Regel eine weit fortgeschrittene Leberzirrhose und sind daher stark gefährdet.

Die Zahl der Lebertransplantationen ist während der Corona-Krise weltweit zurückgegangen. Ob eine SARS-CoV-2-Infektion bei einer Transplantation übertragen werden kann, ist unklar. Grundsätzlich ist das Komplikationsrisiko hoch, wenn Menschen nach bzw. bei großen chirurgischen Eingriffen mit dem neuen Coronavirus infiziert werden. Zur Sicherheit werden daher sowohl Spender als auch Empfänger auf das Virus getestet. Zudem sollten Einverständniserklärungen nun auch einen Passus zu Risiken durch SARS-CoV-2 enthalten.

Leberlebendspenden sollten während der Pandemie nur in Einzelfällen durchgeführt werden, nachdem die Risiken sowohl für Lebendspender als auch Empfänger eingehend erörtert wurden.

Wenn Menschen bereits transplantiert sind, gelten ähnliche Empfehlungen zur Immunsuppression wie bei autoimmunen Lebererkrankungen: Die Fachverbände raten von Dosisreduktionen ab, solange keine spezifischen Komplikationen dies notwendig machen (z.B. Lymphopenie, Bakterien- oder Pilzinfektionen); selbst dann ist dies eine Einzelfallentscheidung, die gemeinsam mit Fachärzten getroffen werden muss.

Viele Lebertransplantierte haben verständlicherweise große Sor­gen bezüglich COVID-19. EASL und ESCMID weisen darauf hin, dass sich dies negativ auf die Medikamenteneinnahme sowie das Wahrnehmen von Überwachungsterminen auswirken kann. Aktuelle Daten scheinen für Lebertransplantierte jedoch beruhigender zu sein als für Zirrhosepatienten. Demnach haben Lebertransplantierte zwar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, da ihr Immunsystem durch die Medikamente heruntergefahren ist. Anders als Daten aus dem COVID-HEP Registry zunächst nahelegten, steht aber inzwischen in Frage, ob der Verlauf von COVID-19 bei Lebertransplantierten tatsächlich schlechter ist als in der Allgemeinbevölkerung: Dies erklärte Prof. Thomas Berg, Leipzig, auf der Pressekonferenz des digitalen EASL-Kongresses. Wiederholt wurde diese beruhigende Aussage auch auf dem EASL-Symposium „COVID-19 and the Liver“ am 29. August.

Dennoch empfehlen die Fachverbände EASL und ESCMID, auch Lebertransplantierte mit COVID-19 zügig in eine Klinik einzuweisen. Bestimmte Faktoren könnten auch bei Lebertransplantierten das Risiko von schweren COVID-19-Verläufen erhöhen, wie z.B. noch unentdeckte Krebserkrankungen, Sarkopenie, eingeschränkte Funktion des transplantierten Organs oder metabolische Begleiterkrankungen. Wie der Einfluss dieser Faktoren im Einzelnen ist, wird jedoch noch erforscht.

Wechselwirkungen zwischen Immunsuppressiva und Medikamenten gegen COVID-19 sind möglich. Falls Lebertransplantierte aufgrund einer schweren COVID-19-Erkrankung zusätzliche Arzneimittel erhalten (auch experimentelle Therapien), sollten die Wirkstoffspiegel ihrer Immunsuppressiva im Blut sorgfältig überwacht werden.

Für Lebertransplantierte gelten die gleichen Impfempfehlungen gegen Grippe und Pneumokokken wie für Zirrhose­patienten.

 

COVID-19 und Leberzellkrebs (HCC)

Laut EASL und ESCMID ist noch nicht geklärt, wie sich Leberzellkrebs auf den Verlauf von COVID-19 auswirkt. Höheres Alter, männliches Geschlecht und Begleiterkrankungen scheinen das Sterberisiko durch COVID-19 eher zu erhöhen als verschiedene Krebstherapien, so die Fachverbände. Die Behandlung von Leberzellkrebs sollte möglichst weiter wie in den Leitlinien vorgegeben durchgeführt werden.

Tumorkonferenzen finden weiterhin statt, sodass Spezialisten aus Onkologie, Chirurgie, Radiologie sich bei allen Patienten darüber abstimmen können, welche Therapiemethoden am aussichtsreichsten sind.

Vorsorgeuntersuchungen auf Leberzellkrebs sollten wieder regelmäßig und in vollem Umfang stattfinden. Dies betrifft alle Patienten mit chronischen Lebererkrankungen und insbesondere solche mit bereits vorhandener Leberzirrhose.

 

Verschiedene Leber-Untersuchungen und COVID-19-Risiko

Das Coronavirus kann im Rahmen von endoskopischen Untersuchungen übertragen werden. Daher empfehlen die Fachverbände entsprechende Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung, einschließlich eines Mund-Nasen-Schutzes beim durchführenden Personal. COVID-19-Patienten sollten nur in Notfällen endoskopiert werden, z.B. bei Krampfaderblutungen oder bakteriellen Entzündungen der Gallengänge. Dagegen gebe es keinen Grund, Endoskopien aufzuschieben, wenn Patienten virusfrei sind und vor Ort keine starken Einschränkungen durch COVID-19 bestehen. Ähnliches gilt auch für Leberbiopsien, die bei Nichtinfizierten unter solchen Umständen ebenfalls weiter durchgeführt werden sollten.

Bei Ultraschalluntersuchungen z.B. zum HCC-Screening werden im Positionspapier keine speziellen Sorgen erwähnt. Bei Leberpatienten ohne Corona-Infektion sollten diese nur ver­scho­ben werden, falls Praxen/Kliniken zeitlich zu stark ausge­lastet sind oder vor Ort keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, wenn ein HCC entdeckt wird. Dies ist in Deutschland allerdings in der Regel kein Problem. Wenn Patienten aktuell an COVID-19 erkrankt sind, können HCC-Screening-Untersuchungen bis nach der Genesung warten.

Komplizierter ist die Frage zu Leberpunktionen bei COVID- 19-Kranken: In Notfällen, wenn dringender Klärungsbedarf besteht, erlaubt das Positionspapier auch dies. Bei der Mehrheit der Betroffenen sei eine Biopsie bei akuter COVID-19-Erkrankung nicht nötig, so EASL und ESCMID. Erstens stehe dann meistens die Behandlung der Viruserkrankung im Vordergrund. Zweitens kann COVID-19 im ganzen Körper und auch in der Leber zu Entzündungsvorgängen führen. Dies könnte auch das Aussehen von Leberbiopsien verändern, sodass die Ursachensuche nach anderen Erkrankungen dadurch erschwert werde.

 

Ausblick

Das Coronavirus wird uns noch längere Zeit begleiten. Mittlerweile hat es einen enormen Wissenszuwachs in der Medizin gegeben. Kliniken sind mittlerweile in der Lage, COVID-19-Patienten deutlich besser zu versorgen als im Frühjahr. Verschiedene bereits zugelassene, kostengünstige und breit verfügbare Arzneimittel (z.B. Heparine/Blutverdünner, Corticosteroide wie z.B. Dexamethason oder Blutdrucksenker) werden auch für COVID-19 untersucht und sind in bestimmten Situationen eindeutig hilfreich.

Erste Impfungen haben in Deutschland ab dem 27. Dezember bei ersten Hochrisikogruppen begonnen. Die Deutsche Leberhilfe e.V. befürwortet auf Basis der bisher vorhandenen Daten eine Impfung für chronisch Leberkranke. Grippeähnliche Symptome und Reaktionen an der Einstichstelle sind mögliche Nebenwirkungen. Über allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe wurde in einigen Fällen berichtet. Falls Sie eine Vorgeschichte schwerer Allergien haben, weisen Sie Ihren Arzt ebenso darauf hin wie auf andere Vorerkrankungen. Autoimmune oder lebertoxische Komplikationen sind uns mit Stand 28. Dezember nicht bekannt. Daher gehen wir davon aus, dass auch Menschen mit autoimmunen Lebererkrankungen und Leberzirrhose die Impfungen wahrnehmen können und sollten. Lassen Sie sich bei der Impfentscheidung in Ihrer Praxis oder Klinik beraten. Wir werden die Lage aufmerksam weiter verfolgen und Ihnen zügig berichten, wenn wir Neuigkeiten zu Sicherheit und Verträglichkeit der neuen Impfstoffe erfahren.

Bis Impfstoffe breit verfügbar sind, bleibt es wichtig, sich gegen Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus so gut wie möglich zu schützen. Insbesondere Menschen mit Zirrhose oder metabolischen Begleiterkrankungen sind gefährdet. Die offiziellen Empfehlungen zum Infektionsschutz wie Händehygiene, Abstandsregeln und Maskenpflicht können das Ansteckungsrisiko erheblich senken und sollten bestmöglich eingehalten werden.

Gerade bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen versuchen Sie, wichtige Arzttermine für Ihre Versorgung und Behandlung dennoch möglichst wahrzunehmen. Wenn Sie verständlicherweise Sorge vor Ansteckung haben, fragen Sie in Ihrer Praxis oder Klinik nach, welche Schutzmaßnahmen vor Ort bestehen oder ob eine Beratung per Telefon oder Videokonferenz möglich ist. Alle Zentren haben ihren Betrieb so umorganisiert, dass Abstand vor Ort möglich ist und Menschen mit Infektionsverdacht durch besondere Bereiche und Abteilungen geschleust werden, ohne dass diese anderen begegnen.

Deutsche Leberhilfe e.V.

Ideale Dauer des Händewaschens: 20 bis 30 Sekunden

Weitere Informationen

Allgemeine telefonische Beratung rund um das Thema SARS-CoV-19 finden Sie unter folgenden Rufnummern:

Tel. 0800/0117722: Unabhängige Patientenberatung Deutschland/Bundesgesundheitsministerium (Mo-Do. 8 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 12 Uhr)
Tel. 115 (www.115.de): Einheitliche Behördenrufnummer (Mo-Fr. 8 bis 18 Uhr)
Bei örtlichen Gesundheitsämtern sind zum Teil ebenfalls spezielle Rufnummern geschaltet, die Sie auf den jeweiligen Webseiten dieser Ämter finden.
Aktuell beginnen auch Krankenkassen, eigene Hotlines zur Beratung einzurichten. Diese finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Krankenkasse.
Mit längeren Wartezeiten muss aktuell gerechnet werden.

Wenn Sie befürchten, infiziert zu sein:

Bitte kontaktieren Sie zunächst telefonisch Ihre Hausarztpraxis und lassen Sie sich beraten. Gehen Sie nicht unangemeldet in die Praxis, sondern vereinbaren Sie einen Termin, damit man dort die Ansteckungsrisiken für Personal und andere Patienten minimieren kann. Wenn Ihre Hausarztpraxis nicht erreichbar ist und Sie medizinische Hilfe benötigen, können Sie auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 rund um die Uhr deutschlandweit erreichen.
Bitte wählen Sie nicht (!) den Notruf allein aufgrund eines Infektionsverdachts, damit die Leitung nicht für akut dringende Notfälle blockiert ist (z.B. schwere Atemnot, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Varizenblutungen, Brände).

Aktuelle Informationen zu Schutzmaßnahmen, Verbreitung und Verhalten bei Infektionen finden Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums (anklickbare Links in roter Schrift):

Robert-Koch-Institut, Übersichtsseite
Robert-Koch-Institut, häufige Fragen zu Covid-19
Bundesgesundheitsministerium, Übersichtsseite
Bundesgesundheitsministerium, rechtliche und praktische Hinweise bei häuslicher Quarantäne (PDF-Datei)

In englischer Sprache bieten auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das europäische ECDC umfassende Informationen:

Weltgesundheitsorganisation (WHO), Übersichtsseite
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Übersichtsseite

Um den Verlauf von Covid-19 bei chronischen Leberkrankheiten besser zu verstehen, hat der europäische Fachverband EASL unter https://covid-hep.net/ ein Register eingerichtet. Auch das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen (ERN-RARE LIVER) wird ein solches Register speziell ins Leben rufen.

Wir verfolgen das Geschehen online auf unserer Seite und bleiben per E-Mail erreichbar (beratung@leberhilfe.org sowie lebenszeichen@leberhilfe.org).

Bitte überprüfen Sie auch diese Seite regelmäßig. Wenn es für Leberkranke Neuigkeiten gibt, werden wir diesen Artikel entsprechend aktualisieren.

Ihre Deutsche Leberhilfe e.V.

 

Quellenauswahl:

Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut: Beschluss der STIKO für die Empfehlung der COVID-19-Impfung und die dazugehörige wissenschaftliche Begründung. 14. Januar 2021 (online vorab). https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile
Robert Koch Institut: COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Gesamtstand: 23.12.2020. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/gesamt.html;jsessionid=745708DA676E1BFFEFE5D542230FBA86.internet091
CDC: Allergic Reactions Including Anaphylaxis After Receipt of the First Dose of Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccine — United States, December 14–23, 2020. Early Release / January 6, 2021 / 70. https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/70/wr/mm7002e1.htm
Tobias Boettler et al.: Impact of COVID-19 on the care of patients with liver disease: EASL-ESCMID position paper after 6 months of the pandemic. JHEP Reports 2020 vol. 2 j 100169. https://easl.eu/news/easl-escmid-position-paper-review/

Open Medicine Foundation: OMF Funded Study: COVID-19 and ME / CFS. 19.05.2020. https://www.omf.ngo/2020/05/19/omf-funded-study-covid-19-and-me-cfs/
M. Joshua Hendrix et al.: Absence of Apparent Transmission of SARS-CoV-2 from Two Stylists After Exposure at a Hair Salon with a Universal Face Covering Policy — Springfield, Missouri, May 2020. Weekly / July 17, 2020 / 69(28);930-932. On July 14, 2020, this report was posted online as an MMWR Early Release. https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6928e2.htm
esanum.de: COVID-19 und Lebererkrankungen. 31.08.2020. https://www.esanum.de/conferences/ilc-2020-der-leberkongress/feeds/today/posts/covid-19-und-lebererkrankungen
EASL. The Digital International Congress. https://ilc-congress.eu/programme-digital-ilc-2020/
AASLD: Clinical best practice advice for hepatology and liver transplant providers during the COVID-19 pandemic: AASLD expert panel consensus statement. June 25, 2020 https://www.aasld.org/sites/default/files/2020-06/AASLD-COVID19-ExpertPanelConsensusStatement-June252020-v2-FINAL.pdf

Zuletzt aktualisiert am: 19. Januar 2020

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