31. März

Neuartiges Coronavirus: Infos für Leberkranke, Links und Anlaufstellen

Hier finden Sie aktuelle Informationen zu Covid-19 und Lebererkrankungen. Wir werden diese Rubrik regelmäßig aktualisieren, wenn wir hierzu Neuigkeiten erfahren.

Update 31. März 2020: Es gibt nun erste Veröffentlichungen zu Covid-19 bei Leberkranken über den amerikanischen Fachverband AASLD und den europäischen Fachverband EASL. Nach wie vor ist unklar, ob Leberkranke ein erhöhtes Risiko bei Covid-19 haben oder eher nicht. Erhöhte Leberwerte wie GOT und GPT bei Covid-19 werden in einem Teil der Fälle beobachtet. Leberschäden scheinen jedoch äußerst selten zu sein und traten bisher nur bei besonders schweren Covid-19-bedingten Lungenentzündungen auf. Bitte lesen Sie hier unser Update. Wir stehen regelmäßig mit unseren Hepatologen in Kontakt und werden neue Erkenntnisse und Einschätzungen schnellstmöglich hier veröffentlichen.

Unsere Geschäftsstelle musste aufgrund der Coronakrise am 16. März vorerst schließen. Wir bedauern dies sehr, bleiben jedoch online für Sie aktiv und verfolgen das Geschehen hier auf unserer Webseite weiter.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Erkrankung Covid-19 verbreiten sich aktuell auch stark in Deutschland. Abgesagte Veranstaltungen, Schließungen von öffentlichen Einrichtungen und vielen Geschäften ebenso wie Ausgangsbeschränkungen sind nun die notwendige Folge. Ein schützender Impfstoff ist in naher Zukunft noch nicht zu erwarten. Das Virus ist hoch infektiös und auch Testmöglichkeiten sind aktuell eher eingeschränkt vorhanden. Die tatsächliche Zahl der bereits Infizierten dürfte daher deutlich größer sein als die gemeldeten Fallzahlen.

Ein Großteil der Covid-19-Erkrankungen scheint ohne Komplikationen und eher ähnlich wie Grippeinfekte zu verlaufen. Schwere Verläufe sind aber häufiger als bei der Influenza. Insbesondere Menschen über 60, Diabetiker sowie Menschen mit Herz-, Nieren- und Lungenkrankheiten haben ein Risiko von Komplikationen. Es drohen Lungenentzündungen mit schwerer Atemnot, die z.T. intensivmedizinisch behandelt werden müssen und mitunter tödlich verlaufen können.

Wie wird die Situation für Leberkranke aktuell eingeschätzt? Die Situation ist sehr dynamisch und unser Wissensstand ändert sich fast täglich. Unser aktueller Stand ist heute wie folgt.

Haben Leberkranke mit Covid-19 häufiger eine schwere Lungenentzündung?

31. März 2020: Es gibt unterschiedliche Aussagen, ob Leberkranke und/oder Menschen unter Immunsuppressiva ein erhöhtes Risiko für schwere Lungenerkrankungen haben oder nicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) listet derzeit auch chronisch Leberkranke als gefährdet auf. Der amerikanische Fachverband AASLD regte am 17. März ebenfalls in einem Brief an die Gesundheitsbehörde CDC an, chronisch Leberkranke als Risikogruppe zu listen.

Dem widersprechen vorläufige Berichte aus China und Italien sowie vom Universitätsklinikum Hamburg. Demnach wurden bei Leberkranken bislang nicht häufiger schwere Lungenerkrankungen durch Covid-19 gesehen als in der Allgemeinbevölkerung; diese eher beruhigende Beobachtung wurde laut einem Arztbrief aus dem Krisengebiet in Bergamo/Italien vom 16. März auch bei Zirrhosepatienten, Lebertransplantierten oder Patienten gemacht, die z.B. aufgrund einer autoimmunen Hepatitis Immunsuppressiva einnehmen mussten. Ähnliches teilt auch das Universitätsklinikum Hamburg mit, welche das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen (ERN-RARE LIVER) leiten. Falls Sie Immunsuppressiva einnehmen müssen, setzen Sie diese bitte keinesfalls eigenständig ab: Sie könnten sich sonst schweren Schaden zufügen! Auch eventuelle Dosisreduktionen nehmen Sie bitte nur dann vor, falls Ihnen diese fachärztlich empfohlen werden – keinesfalls in Eigenregie. Auch andere medikamentöse Therapien sollten Sie so weiterführen wie von Ihrem/r behandelnden Arzt oder Ärztin empfohlen.

Eine allgemeine Metaanalyse aus China der ersten 53.000 Covid-19-Kranken listet als Risikofaktoren ein Alter über 60 Jahren auf, gefolgt von Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Diabetes. Chronische Lebererkrankungen werden dort nicht diskutiert und nur beiläufig auf Seite 39 erwähnt, wo sie in einer Tabelle mit dem Kürzel „CLD“ (chronic liver disease) erscheinen; eine deutliche Häufung von schweren Covid-19-Verläufen bei Leberkranken ist dort nicht erkennbar. Einschränkend muss zu dieser Metaanalyse gesagt werden, dass sie erstens nicht speziell auf das Thema „Leber“ blickt und zweitens noch nicht voll publiziert ist, da sie noch nicht den wissenschaftlichen Freigabeprozess (Peer Review) durchlaufen hat. In Zukunft sind weitere Analysen zu erwarten, die speziell die Zusammenhänge zwischen Leberkrankheiten und Covid-19 untersuchen.

Können Erkrankungen mit Covid-19 auch die Leber belasten?

Dies ist unklar und wird weiter untersucht. Für die überwiegende Mehrzahl der Leberpatienten scheint die Leber eher nicht durch Covid-19 gefährdet zu sein. Ausnahmen könnten bei schweren Covid-19-Lungenentzündungen bestehen. Grundsätzlich könnten auch Schwerkranke mit dekompensierter Zirrhose gefährdet sein, deren Leberfunktion bereits stetig abnimmt; hier sind zusätzliche Infektionen (auch mit Bakterien oder Influenzaviren) immer ein Risiko und dies dürfte auch für Covid-19 gelten.

Der amerikanische Fachverband AASLD teilte am 23. März mit, dass bei Covid-19-Patienten in Krankenhäusern mitunter auch erhöhte Leberwerte gesehen wurden. Wie häufig dies war, schwankte je nach Studie stark zwischen 14% bis 53% – und betraf nur die Untergruppe von schwer kranken Covid-19-Patienten. Wenn erhöhte Leberwerte beobachtet wurden, waren dies insbesondere die GOT- und GPT-Werte, z.T. gab es auch leichte Bilirubinanstiege. Beruhigend ist, dass angestiegene Leberwerte sich nach der Heilung von Covid-19 bei den meisten Patienten wieder komplett normalisierten.

Ernste akute Leberschäden bei Covid-19-Kranken scheinen seltene Ausnahmen zu sein und sich bislang nur auf schwer Lungenkranke zu beschränken. Erhöhte Leberwerte sind auch für viele andere Virusinfektionen wie z.B. Influenza bekannt und weisen dort auf eine eher unspezifische Mitreaktion oder auch Mitinfektion der Leber hin. Wie uns das Uniklinikum Hamburg am 23.3. mitteilte, werden Leberwerte ohnehin bei schweren Lungenentzündungen mit überprüft.

Eine Veröffentlichung im wissenschaftlichen Journal Lancet am 20. März erklärte sogar, bezüglich Leber gebe es bei Covid-19 „kaum Grund zur Beunruhigung“; möglicherweise seien erhöhte GOT-Werte eher durch eine Muskelentzündung verursacht, wie sie auch bei schweren Grippeinfektionen beobachtet werde.

Der AASLD-Hepatologenverband bezeichnet die erhöhten Leberwerte dagegen als „Leberschädigung“ („liver injury“). Dabei sei es aber schwer zu unterscheiden, ob das Sars-Cov-2-Virus direkt oder indirekt dazu geführt habe, oder ob Medikamentennebenwirkungen eine Rolle gespielt hätten. Mehrere experimentelle Therapieansätze für Covid-19 können mitunter auch lebertoxisch wirken; AASLD nennt hier als Beispiel Statine, Remdesivir und Tocilizumab. Dennoch empfiehlt AASLD, dass man deswegen auch chronisch Leberkranke mit schweren Covid-19-Lungenentzündungen nicht von experimentellen Therapieversuchen ausschließen solle – es sei jedoch wichtig, die Leberwerte dabei zu überwachen. Bislang gibt es noch keine allgemein anerkannte Therapie gegen das Sars-CoV-2-Virus.

Ausblick

Der Wissensstand und die Risikobewertung können sich durch neue Erkenntnisse jederzeit ändern. Dies werden wir an dieser Stelle schnellstmöglich updaten, bitte besuchen Sie daher diese Seite regelmäßig. Es gibt zudem Fallberichte über Komplikationen auch bei Menschen, die nicht den Hochrisikogruppen angehören. Befolgen Sie daher bitte unbedingt alle offiziell empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen, wie z.B. gute Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette, Abstand insbesondere zu Erkrankten und Meiden von Menschenansammlungen.

Unsere aktuelle Lebenszeichen-Ausgabe 1/2020 wurde gedruckt und enthält auch einen Artikel zum neuartigen Coronavirus bei Leberkranken. Diesen können Sie hier als PDF-Datei herunterladen. Klicken Sie hier hier auf den roten Text: Download-Link zum Lebenszeichen-Artikel „Neuartiges Coronavirus: Sachlicher Umgang ist wichtig – auch für Leberkranke!“ Der Wissensstand dieses Artikels war der 17. März. Die Ratschläge zum Infektionsschutz im Artikel sind weiterhin aktuell, ebenso wie Anlaufstellen und die Verhaltensempfehlungen bei Infektionsverdacht. Die Einschätzung zu Covid-19 bei Leberkranken ist durch neue Erkenntnisse nun etwas offener. Von „wahrscheinlich kein höheres Risiko“ am 17.3. hat sich unsere Einschätzung seit dem 23.3.2020 geändert zu „unklar, ob höheres Risiko“.

Wir appellieren an Sie in Sinne aller chronisch Kranken: Setzen Sie alles daran, sich möglichst lange nicht zu infizieren. Wenn Sie können, bleiben Sie zuhause. Provozieren Sie bitte keine Situationen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, „um es hinter mich zu bringen“. Unterbrechen Sie die Infektionskette, so lange und so gut Sie können. Jede Woche, die Sie nicht infiziert werden, hilft Ihnen und anderen. Sie schützen sich und andere, und helfen mit, die Epidemie auszubremsen und Todesfälle zu verhindern. Die größte Gefahr durch Covid-19 ist, dass Gesundheitssysteme von vielen Kranken gleichzeitig überwältigt werden. Die Folge sieht man aktuell in Italien. Dort sind nicht genügend Atemgeräte und nicht genügend Intensivpersonal für alle schwer kranken Menschen da.

 

Weitere Informationen

Telefonische Beratung rund um das Thema SARS-CoV-19 finden Sie unter folgenden Rufnummern:

Tel. 0800/0117722: Unabhängige Patientenberatung Deutschland/Bundesgesundheitsministerium (Mo-Do. 8 bis 18 Uhr, Fr 8 bis 12 Uhr)
Tel. 115 (www.115.de): Einheitliche Behördenrufnummer (Mo-Fr. 8 bis 18 Uhr)
Bei örtlichen Gesundheitsämtern sind zum Teil ebenfalls spezielle Rufnummern geschaltet, die Sie auf den jeweiligen Webseiten dieser Ämter finden.
Aktuell beginnen auch Krankenkassen, eigene Hotlines zur Beratung einzurichten. Diese finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Krankenkasse.
Mit längeren Wartezeiten muss aktuell gerechnet werden.

Wenn Sie befürchten, infiziert zu sein:

Bitte kontaktieren Sie zunächst telefonisch Ihre Hausarztpraxis und lassen Sie sich beraten. Gehen Sie nicht unangemeldet in die Praxis, sondern vereinbaren Sie einen Termin, damit man dort die Ansteckungsrisiken für Personal und andere Patienten minimieren kann. Wenn Ihre Hausarztpraxis nicht erreichbar ist und Sie medizinische Hilfe benötigen, können Sie auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 rund um die Uhr deutschlandweit erreichen. Mit längeren Wartezeiten muss aktuell gerechnet werden.
Bitte wählen Sie nicht (!) den Notruf allein aufgrund eines Infektionsverdachts, damit die Leitung nicht für akut dringende Notfälle blockiert ist (z.B. schwere Atemnot, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Varizenblutungen, Brände).

Aktuelle Informationen zu Schutzmaßnahmen, Verbreitung und Verhalten bei Infektionen finden Sie auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums (anklickbare Links in roter Schrift):

Robert-Koch-Institut, Übersichtsseite
Robert-Koch-Institut, häufige Fragen zu Covid-19
Bundesgesundheitsministerium, Übersichtsseite
Bundesgesundheitsministerium, rechtliche und praktische Hinweise bei häuslicher Quarantäne (PDF-Datei)

In englischer Sprache bieten auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das europäische ECDC umfassende Informationen:

Weltgesundheitsorganisation (WHO), Übersichtsseite
European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Übersichtsseite

In den kommenden Wochen hoffen wir durch AASLD und EASL auf weitere Informationen speziell für Leberkranke. Wir behalten die Entwicklung im Auge und werden Ihnen berichten.

Um den Verlauf von Covid-19 bei chronischen Leberkrankheiten besser zu verstehen, hat der europäische Fachverband EASL unter https://covid-hep.net/ ein Register eingerichtet. Auch das Europäische Referenznetzwerk für seltene Lebererkrankungen (ERN-RARE LIVER) wird ein solches Register speziell ins Leben rufen.

Wir verfolgen das Geschehen online auf unserer Seite und bleiben per E-Mail erreichbar (beratung@leberhilfe.org sowie lebenszeichen@leberhilfe.org).

Bitte überprüfen Sie auch diese Seite regelmäßig. Wenn es für Leberkranke Neuigkeiten gibt, werden wir diesen Artikel entsprechend aktualisieren.

Ihre Deutsche Leberhilfe e.V.

 

Erstmals veröffentlicht am 26.2.2020, zuletzt aktualisiert am 31.3.2020.

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