12. Juli

Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli — Hepatitis E: Kaum bekannt und doch allgegenwärtig

Am 28. Juli 2023 ist Welt-Hepatitis-Tag. Rund um den Aktionstag informiert die Deutsche Leberhilfe e.V. zu den verschiedenen Hepatitis-Viren. Unser heutiges Thema: die unterschätzte Hepatitis E.

Köln, 12. Juli 2023. Das Hepatitis-E-Virus ist das häufigste Hepatitis-Virus in Deutschland. Früher dachte man, Hepatitis E sei eine Reisekrankheit, die nur in fernen Ländern wie Indien existiert. Heute wissen wir jedoch, dass das Virus seit Jahrzehnten auch in Deutschland verbreitet ist. Es tritt sogar häufiger auf als die bekannten Viren der Hepatitis A, B und C.

Die meisten Hepatitis-E-Infektionen entstehen hierzulande durch den Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Schweinefleisch, wie z.B. Mett und Leberwurst. Auch der Verzehr von rohem Rotwildfleisch kann zu Infektionen führen. Wer sich vor Hepatitis E schützen möchte, sollte insbesondere Fleisch gut durchgaren. Eine Ansteckung ist aber auch durch Feldfrüchte wie z.B. Erdbeeren möglich, falls diese mit Tierdung gedüngt wurden.

In den letzten Jahren werden in vielen Ländern vermehrt Hepatitis-E-Infektionen gemeldet. Das Robert-Koch-Institut vermutet, dass dies kein tatsächlicher Zuwachs ist und in der Praxis einfach häufiger auf die Infektion untersucht wird. Knapp 17% der Erwachsenen in Deutschland haben Antikörper gegen Hepatitis E. Ältere Menschen weisen dabei häufiger Spuren einer durchgemachten Infektion auf als jüngere.

In über 99% der Fälle heilt die Infektion ohne Folgen von selbst aus. Die meisten Menschen mit Hepatitis E haben keine Symptome. Manche Betroffenen können jedoch an Müdigkeit, Übelkeit oder Gelbfärbung der Haut und Augen leiden.

In seltenen Fällen kann die Infektion zu neurologischen Komplikationen führen, wie z.B. Schmerzen oder Lähmungserscheinungen. Diese können sich nach dem Abklingen der Infektion zurückbilden, oft ist dies jedoch ein langwieriger Prozess.

Chronisch Lebererkranke sind gefährdet, wenn sie sich zusätzlich mit Hepatitis E infizieren: Auf eine vorgeschädigte Leber kommt dann noch eine akute Entzündung, welche weitere Leberzellen zerstört. Dies kann die Erkrankung so verschlechtern, dass die Leber versagt.

Häufiger hört man bei Hepatitis E, dass diese auch für Schwangere gefährlich sein kann. Dies trifft aber eher für eine Variante des Virus zu, die in Asien oder Afrika verbreitet ist: Der Genotyp 1 ist dafür berüchtigt, dass er bei Schwangeren zum Leberversagen führen kann. In Europa ist eine andere Hepatitis-E-Variante vorherrschend – der Genotyp 3. Diese Variante verläuft bei Schwangeren meist milder.

Bei Menschen mit Immunschwäche kann Hepatitis E auch chronisch verlaufen. Organtransplantierte sind hier z.B. gefährdet und sollten auch aus diesem Grund vermeiden, rohes Fleisch zu konsumieren. Chronische Hepatitis E kann unbehandelt in wenigen Jahren zu Leberzirrhose führen. Auch dies lässt sich aber verhindern. Es sind zwar keine Medikamente direkt gegen Hepatitis E zugelassen, in schweren Fällen kann die Infektion jedoch mit Ribavirin behandelt werden. Dies ist ein altes Medikament aus der Hepatitis-C-Therapie, welches auch bei Hepatitis E oft wirkt. Vier von fünf chronisch Infizierten können hierdurch geheilt werden. Wenn das Medikament nicht anspricht, gibt es leider noch keine guten Alternativen. Ribavirin kann zudem Nebenwirkungen haben wie z.B. eine Blutarmut und darf nicht in der Schwangerschaft gegeben werden.

Blutprodukte werden seit 2021 in Deutschland auf Hepatitis E getestet, um Übertragungen zu verhindern. Dies war eine wichtige und überfällige Neuerung. Zuvor wurden Blutspenden zwar auf HIV, Hepatitis B und C, aber nicht auf Hepatitis E getestet. Dies führte in der Vergangenheit mehrfach zu Hepatitis-E-Infektionen, die bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem oft chronisch verliefen.

Es gibt in Deutschland und Europa noch keinen Impfstoff gegen Hepatitis E. In China existiert seit zwölf Jahren ein Hepatitis-E-Impfstoff. Dieser basiert aber auf einer anderen Virusvariante, dem Genotyp 1. Ob dieser Impfstoff auch vor den in Deutschland und Europa verbreiteten Genotyp 3 schützen könnte, ist derzeit nicht bekannt. Es wäre wünschenswert, wenn auch hierzulande eine wirksame Schutzimpfung gegen Hepatitis E zur Verfügung stünde.

Deutsche Leberhilfe e.V.

 

Was ist der Welt-Hepatitis-Tag?

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO (Stand: Juni 2022) leiden weltweit etwa 354 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis B oder C – die meisten, ohne von ihrer Infektion zu ahnen. Davon haben 296 Millionen eine Hepatitis B und etwa 58 Millionen eine Hepatitis C. Knapp 15 Millionen Menschen leiden an einer Koinfektion von Hepatitis B und D. Unbehandelt können chronische Hepatitisinfektionen zu schweren Leberschäden wie Zirrhose und Leberkrebs führen und erhöhen möglicherweise auch das Risiko anderer Erkrankungen. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann dieses Risiko senken und zudem verhindern, dass andere angesteckt werden. Seit drei Jahren läuft daher die Kampagne der World Hepatitis Alliance „Hepatitis kann nicht warten!“ (Hep can’t wait!). Das Motto des diesjährigen Welt-Hepatitis-Tages greift dies auf und lautet „I’m not waiting“. Im Deutschen lautet das Motto daran angelehnt: „Ich warte nicht. Ich handele!“ und ist ein Aufruf an Menschen, auch Eigeninitiative zu zeigen, indem sie sich impfen, testen und – falls sie bereits eine chronische Hepatitis haben – entsprechend behandeln lassen.

 

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:

Deutsche Webseite:  www.welthepatitistag.info
Flyer zu Hepatitis A bis E: www.welthepatitistag.info/download.html
Internationale Webseite: www.worldhepatitisday.org/

Sie können die Pressemitteilung auch hier als PDF-Datei herunterladen.

 

Korrekturanmerkung vom 27.07.2023: In unserem ursprünglichen Text stand irrtümlicherweise eine WHO-Schätzung von 358 Millionen Hepatitis-B- und -C-Betroffenen, richtig muss es 354 Millionen heißen. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen

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