30. Oktober

Erfahrungsbericht Morbus Meulengracht

Ich bin ein 16 Jahre altes Mädchen, und bei mir wurde Morbus Meulengracht letztes Jahr diagnostiziert, als ich aufgrund von starken Bauchschmerzen zum zweiten Mal ins Krankenhaus kam. Es hat Wochen und zwei mehrwöchige Krankenhausaufenthalte gedauert, bis ein Arzt Verdacht schöpfte. Ich verpasste viel Schulstoff und fühlte mich kaum ernstgenommen. Die Diagnose verbesserte diese Situation nicht, da Morbus Meulengracht als harmlose Stoffwechselstörung deklariert wird und weite Teile meines Umfelds mich somit als Simulantin darstellten. Dass meine Symptomatik durch die Diagnose keineswegs verbessert werden konnte, gerät dabei in Vergessenheit. Auch ein Jahr später leide ich unter extremer Müdigkeit. Obwohl ich stets 9 Stunden schlafe, brauche ich mindestens 13 Stunden, um ausgeruht zu sein. Logischerweise ist das im Alltag nicht umzusetzen. Hinzu kommen Übelkeit und Bauchschmerzen. Wie von Ärzten empfohlen, trinke ich keinen Alkohol und vermeide Stress. Aber auch depressive Phasen kommen dazu. Ich bin eigentlich ein sehr lebensfroher und zufriedener Mensch, aber die Schmerzen und die Müdigkeit beeinträchtigen meine Lebensqualität massiv. Der Druck, nicht krank sein zu dürfen, da es ja nur eine harmlose Störung ist und ich mich anscheinend nur anstelle, helfen mir nicht und setzen mich zusätzlich unter Druck.

Ich würde mir wünschen, dass Morbus Meulengracht endlich ernstgenommen wird und Betroffene mit starken Symptomen nicht als Simulanten dargestellt werden.

Die Autorin dieses Textes möchte anonym bleiben.

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