1. Februar

Eine späte Diagnose – PBC

Im Jahr 2007 wurde mir eine primär biliäre Zirrhose (PBC) diagnostiziert, nachdem ich über viele Jahre einen ansteigenden Gamma-GT Wert im Blutstatus hatte, den wechselnde Ärzte nicht zu deuten wussten oder wollten. Ich bin Jahrgang 1937 (männlich) und in dem Bild unten sind die GGT-Werte als Funktion der Zeit aufgetragen. Da ich mir immer Kopien der Blutberichte aushändigen lasse, konnte ich diese Auftragung machen. Man sieht einen deutlichen, wenn auch langsamen Anstieg der GGT seit 1993 und Höchstwerte in 2007 von 120 (nach dem alten Verfahren), die einem GGT von 260 nach dem neuen Verfahren entsprechen. Die übrigen Leberwerte waren während dieser Zeit übrigens alle im Normbereich geblieben. Nach der Diagnose in 2007 wurde mir Ursofalk verordnet, und als Folge dieser Behandlung fiel der GGT-Wert deutlich ab und ist heute wieder im Normalbereich.

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Wie kam es zur Diagnose? Ich hatte in 2002 wieder einmal den Arzt gewechselt, und nachdem dieser Internist über 2-3 Jahre die hohen GGT-Werte beobachtet hatte und zusätzlich Immunglobulin M (IGM) und die antimichondrialen Antikörper (AMA) in die Analyse einbezogen hatte, tippte er auf den Verdacht einer PBC. Er riet mir nachdrücklich zu einer Leberbiopsie, um eine eindeutige Diagnose zu bekommen und nachfolgend eine Behandlung vorschlagen zu können. Die Biopsie wurde im Oktober 2007 ambulant durchgeführt und einige Tage später bekam ich die Diagnose der Autoimmun Cholangitis und einer PBC im Frühstadium (die Lebercholangitis ist eine Zersetzung der Gallengänge, denn eine Leberzirrhose setzt erst viel später ein). Es wurde eine Tagesdosis Ursodeoxycholsäure (UDC) verordnet, die ich für den Rest meines Lebens zu nehmen habe. Wie bereits gesagt, nach regelmässiger Einnahme des Medikaments sank der GGT-Wert in den nachfolgenden Blutuntersuchungen schnell auf den Normalwert ab. Damit sei der Fortschritt der Krankheit wahrscheinlich begrenzt, so wurde mir versichert, und die Folgen einer Leberzirrhose auf spätere Jahre verschoben, wobei keine nähere Angabe der Lebenserwartung gemacht werden konnte. Notfalls bestände später noch die Möglichkeit einer Lebertransplantation.

Die Seltenheit der PBC insbesondere bei Männern ist vermutlich der Grund für die relativ späte Vermutung dieser Krankheit und der tatsächlichen Diagnose. Wenn ich bei Ärzten nach meiner Anamnese gefragt werde, erregt das Erwähnen der PBC immer Erstaunen, z.B. mit der Bemerkung „Wie sind Sie denn daran gekommen?“ Als ich vor zwei Jahren wegen einer heftigen Erkältung eine Arztpraxis im Großraum Chicago (USA) aufsuchen musste und ebenfalls nach meinen Krankheiten gefragt wurde, schüttelte der Arzt nach Erwähnung der PBC den Kopf und meinte „Never heard of it“. Das fand ich bemerkenswert, da die amerikanische Medizin durchaus nicht hinter dem Mond ist.

Übrigens hatte ich weder vor noch nach der Diagnose der PBC leberspezifische Beschwerden. Aber auch das ist nicht untypisch für diese Krankheit wie auch für andere Leberkrankheiten. Deswegen sollte man erhöhte Leberwerte im Blutserum, wenn sie über einen längeren Zeitraum auftreten, auf jeden Fall ernst nehmen. Die Diagnose PBC hat mich zu Anfang natürlich schon beunruhigt, denn schließlich handelt es sich um eine nicht heilbare Lebererkrankung. Wenn es zur Leberzirrhose kommt, wird man daran sterben, wenn nicht vorher eine andere lebensbedrohende Krankheit diese Stellung übernimmt. Da aber der Übergang von einer Cholangitis zur Zirrhose viele Jahre dauern kann, sofern man kein Alkoholiker ist oder wird, finde ich die Situation nicht mehr so beängstigend. Es ist eben gut, dass man nicht weiss, wann das persönliche Fallbeil zuschlägt. Jedenfalls denke ich nicht mehr oft darüber nach.

Name und Kontaktdaten des Betroffenen sind der Redaktion bekannt, dieser möchte jedoch anonym bleiben.

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