1. Februar

Wie ich meine schwere Lebererkrankung überwunden habe

Ich bin 77 Jahre alt und von meiner Ausbildung MTA-Assistentin. Ich bin seit 55 Jahren glücklich verheiratet, habe 2 Kinder und ein Enkelkind.

Diese, meine jahrzehntelange Krankheitsgeschichte schreibe ich, um insbesondere älteren Menschen Mut zu machen, auch im fortgeschrittenen Alter nicht aufzugeben und einen Heilungsweg zu suchen.
Und nun zu meinem Krankheitsverlauf:

Vor 50 – 60 Jahren wurde ich, vermutlich, durch verunreinigte Spritzen, infiziert. Damals gab es noch keine Einmalspritzen und die Nadeln wurden nach jedem Patienten durch kochen mehr oder weniger dessinfiziert. Heute weiß man, daß erst ein Kochen unter Druck bei 180 °C. über längere Zeit zu einer Sterilisation der medizinischen Instrumente führt.

Auch war damals die Virusinfektion „Hepatitis C“ noch nicht bekannt. In medizinischen Kreisen sprach man von einer „Hepatitis non A non B“.

Mit dieser Virusinfektion „Hepatitis C“ habe ich dann, ohne es zu wissen, 40 – 50 Jahre gelebt.

Eine Makuladegeneration machte mir zu schaffen und die Sehstärke wurde immer schlechter. Da sagte mir ein Ganzheitsmediziner, ich solle mir die Leber untersuchen lassen, da Leber und Augen zusammenhängen. Das war 2002. Ergebnis: die Leberwerte waren erhöht (GOT, GPT und gamma GT) und die Hepatitis-C-Viruslast war sehr hoch (schwankend bei allen Messungen ab damals zwischen 1,5 – 5,0 Mio.)

Ich begann Ende 2003 mit der damals einzigen gültigen Therapie, Interferon als Spritzen und Ribavirin als Tabletten, die ich 48 Wochen machen sollte. Schon nach 12 Wochen war ich virenfrei. Nach 20 Wochen zwangen mich die Nebenwirkungen des Interferons (Hautausschlag, Hautjucken) zur Aufgabe der Therapie. Nach weiteren 6 Monaten waren die Viren wieder da, in der Größenordnung wie oben genannt.

Jahre später hörte ich von der Deutschen Leberhilfe e.V. in Köln. Nach Erhalt von einigen sehr guten Informationen wurde ich Mitglied in dieser Organisation und bin es auch heute.

Da meine Leberwerte nach wie vor immer hoch waren und die Leber sich inzwischen im Fibrosebereich Richtung Zirrhose befand, bat ich 2013 die Deutsche Leberhilfe e.V., mir als Mitglied Leberspezialisten zwischen Flensburg und Passau zu nennen, die auch ambulant behandeln. So fand ich einen Gastroenterologen in Norddeutschland. Ich bin zu diesem Facharzt gewechselt und habe diesen Schritt nicht bereut; er ist über alle nationalen und internationalen Forschungen und Entwicklungen bestens informiert, nimmt sich für die Patienten viel Zeit, erklärt ganz ausgezeichnet und beantwortet alle Fragen sehr genau und verständlich.

Dieser Facharzt sagte noch Anfang 2013: meine Leber ist über Jahrzehnte durch die Hepatitis-C-Viren geschädigt und muss behandelt werden. Nach dem Scheitern der Behandlung in den Jahren 2003-2004 war sein Rat, durch gesunde Ernährung (fettarme, leichte Kost), absolut keinen Alkohol und nicht rauchen sowie möglichst wenig Schmerzmittel, die über die Leber entsorgt werden, versuchen noch ein Jahr zu überbrücken. 2014 rechnet er mit neu zugelassenen Medikamenten, die viel wirkungsvoller sind, weniger Nebenwirkungen haben und zusätzlich die Therapiezeit verkürzen.

Im September 2013 musste ich nach einem Sturz und massiven Gehirnblutungen, zweimal in der Neurochirurgie an Schädel/Hirn unter Vollnarkose operiert  werden. Als Folge versagte meine Leber. Medizinische Diagnose: „Dekompensierte Leberzirrhose bei chronischer Hepatitis C (Genotyp 1). Leber: klein verdichtet in Ascites schwimmend“. Es wurde eine Bauchpunktion gemacht, um einen Teil des Wassers zu entfernen.
Mein Mann verständigte sofort, mit den Berichten aus dem Krankenhaus, auch den Leberfacharzt in Norddeutschland. Den Gastroenterologen ist es gelungen, meine Leber wieder zu aktivieren, medizinisch zu „kompensieren“.

Nach der Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas im Krankenhaus schloss sich eine 5-wöchige Reha an, zu der ich noch liegend im Krankenwagen gebracht werden musste. In der Reha lernte ich zuerst wieder aufstehen, dann  mit Rollator und Stock und letztlich normal gehen.

Im Januar 2014 informiert der Gastroenterologe meinen Hausarzt und mich, dass am 17.1.2014 ein neues Medikament zur Behandlung der Hepatitis C zugelassen wurde. Er schlägt aus Dringlichkeitsgründen vor, sofort mit einer interferonfreien antiviralen Therapie über 24 Wochen, mit Sofosbuvir und Ribavirin zu beginnen. Am 1.2.2014 habe ich mit dieser Therapie begonnen. Nach 4, 12, und 24 Wochen erfolgten genaue Untersuchungen beim Gastroenterologen in Norddeutschland und zwischendurch Blutuntersuchungen beim  Hausarzt, in Abstimmung zwischen Facharzt und Hausarzt.

Nach 4 Wochen Therapie war ich bereits virenfrei und die Leberwerte erreichten weitgehend wieder Normalbereiche. 5 Wochen nach  Abschluss der 24-wöchigen Therapie hat sich die Leberzirrhose  nach Fiberscan-Messung auf eine „fortgeschrittene Leberfibrose III“ zurückgebildet.

Jetzt muß ich noch 12- und 24 Wochen nach Abschluss der Therapie (Oktober 2014 und Januar 2015)  zu genauen Untersuchungen  nach Norddeutschland fahren. Wenn ich hoffentlich auch dann noch virenfrei bleibe, bin ich von meiner jahrzehntelangen Hepatitis C geheilt .

Danksagung:

Ich möchte allen zu meiner Heilung beitragenden Personen und Institutionen meinen ausdrücklichen Dank aussprechen. Die angeführte Reihenfolge ist zufällig und hat nichts mit Prioritäten zu tun. Danke:

– der Deutschen Leberhilfe e.V. mit dem sehr guten Lebermagazin „Lebenszeichen“;
– meinem Gastroenterologen in Norddeutschland;
– meinem Hausarzt;
– den Neurochirurgen, die mich 2 x nach massiven Gehirnblutungen am Schädel/Hirn operiert haben;
– den Gastroenterologen, denen es gelungen ist meine Leber wieder zu „kompensieren“;
– Der Ärztin und den Physiotherapeuten der REHA Klinik in der ich 5 Wochen behandelt wurde;
– meiner Krankenkasse, für die Übernahme der OP- und REHA-Kosten, sowie der hohen Kosten meiner beschriebenen Hepatitis-C Therapie;
– der Leiterin meiner Apotheke, die mir immer mit pharmazeutischen Informationen und Ratschlägen geholfen hat;
– meiner Familie, meinem lieben Mann und unseren lieben Kindern mit Familie, die in meiner so schweren Zeit immer für mich da waren und jede mögliche Hilfe leisteten und noch leisten.

Hinweis: Der Name der Patientin ist der Deutschen Leberhilfe e.V. bekannt, die Autorin möchte jedoch anonym bleiben.

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