26. Juli

Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2019

Köln. Am 28. Juli 2019 findet der Welt-Hepatitis-Tag statt. Wie im Vorjahr lautet das Motto „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ Das Motto ist aktueller denn je: 325 Millionen Menschen leben laut WHO-Schätzungen entweder mit chronischer Hepatitis B oder C. Hinzu kommen drei Millionen, welche gleichzeitig von beiden Viren betroffen sind. Hepatitis B betrifft 257 Millionen und Hepatitis C 71 Millionen Menschen. 290 Millionen der Betroffenen weltweit wissen nicht, dass sie eine tickende Zeitbombe in sich tragen.

In Deutschland leben laut Schätzungen der Bundesregierung 300.000 Menschen mit chronischer Hepatitis B und eine gleich hohe Zahl mit Hepatitis C, auch hierzulande oft ohne von ihrer Infektion zu wissen. Ohne Behandlung können chronische Hepatitisinfektionen die Leber schwer schädigen und letztendlich zu Leberzirrhose, Leberkrebs und Tod führen.

Viele dieser schweren Krankheitsfälle wären vermeidbar. Gegen Hepatitis B gibt es seit langem eine Schutzimpfung und bei den Infizierten, welche einen chronischen Verlauf entwickeln, ist die Infektion mit einer Therapie gut kontrollierbar. Ganz heilbar ist die Infektion jedoch noch nicht. Es wird an künftigen Arzneimitteln geforscht, welche die Hepatitis-B-Therapie noch wirksamer machen können.

Gegen Hepatitis C konnte bislang keine wirksame Schutzimpfung entwickelt werden. Dies ist hier schwierig, weil es selbst nach einer ausgeheilten Hepatitis-C-Infektion keine natürliche Immunität gibt und sich Betroffene jederzeit erneut anstecken könne. Im Mai 2019 kam die Nachricht, dass eine weitere Impfstoffstudie gegen Hepatitis C erfolglos blieb. Dafür ist man bei der Hepatitis-C-Therapie wesentlich weiter: Fast alle Hepatitis-C-Patienten können heute geheilt werden. Eine Tabletten­therapie über acht bis zwölf Wochen eliminiert schon beim ersten Versuch 95% der Hepatitis-C-Infektionen. Für die wenigen Menschen, die nicht schon im ersten Anlauf geheilt werden, bestehen erneut ähnlich hohe Heilungschancen mit einer zweiten, intensiveren Therapie.

Die Therapierbarkeit von Hepatitis B und C ist heute nicht mehr das dringlichste Problem. Vielmehr sind es die vielen unerkannten chronischen Hepatitis-Infektionen. Hier setzt das Motto des Welt-Hepatitis-Tages an – die vielen Patienten zu finden, die bisher nichts von ihrer Infektion wissen.

Die Leber leidet stumm. Beschwerden bleiben lange Zeit aus oder sind eher unspezifisch, wie z.B. Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden. Hepatitis-typische Symptome wie eine Gelbsucht betreffen nur eine Minderheit der Patienten. „Wie kann das sein? Ich war doch nie gelb!“ ist oft die ungläubige Reaktion von Menschen, wenn sie erstmals von ihrer Hepatitisinfektion erfahren. Ein effektives Screening und damit eine rechtzeitige Diagnose und Therapie können nicht nur die lebensgefährlichen Spätfolgen für den einzelnen Patienten verhindern, sondern auch Neuinfektionen in der Bevölkerung vermeiden. Studien haben gezeigt, dass sowohl die Therapie der Hepatitis B als auch der Hepatitis C kosteneffektiv ist.

 

Weltweit 190 Millionen Hepatitis-Infektionen unerkannt

Vor drei Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Aktionsplan ins Leben gerufen, um Hepatitis B und C bis 2030 weltweit einzudämmen: Das Ziel ist, dass es (im Vergleich zu 2015) bis dahin zu 90% weniger neuen chronischen Infektionen kommt und dass die Zahl der Todesfälle um 65% zurückgeht.

Um die Virushepatitis global einzudämmen, muss global und in Deutschland noch einiges geschehen. Voraussetzung ist neben der Prävention – insbesondere höherer Impfraten gegen Hepatitis B – auch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung derjenigen, die bereits chronisch von einer Virushepatitis betroffen sind. Hepatitis B und C sind eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit: Im Jahr 2015 waren beide Infektionen weltweit für schätzungsweise 1,34 Millionen Tote verantwortlich. Stirbt jemand an Leberkrebs, war in zwei von drei Fällen eine chronische Hepatitis B oder C die Ursache. Weltweit wissen 190 Millionen Menschen nicht, dass sie chronisch mit Hepatitis B und/oder C infiziert sind – und bleiben durch Spätfolgen gefährdet und können zudem unwissentlich andere anstecken.

Ohne eine massive Zunahme der Diagnosen werden die Behandlungsraten sinken und die Möglichkeit vertan, diese beiden Hepatitisviren bis 2030 einzudämmen. Dem WHO-Aktionsplan haben 194 Länder (auch Deutschland) zugestimmt. Doch nur ein Teil der Länder weltweit – und gerade einmal sieben Länder mit hohem Durchschnittseinkommen – sind derzeit nach WHO-Schätzungen auf dem Weg, dieses Ziel im gesetzten Zeitrahmen zu erreichen.

Deutschland hat im Kampf gegen Hepatitis nicht mehr die Nase vorn und wurde letztes Jahr von der Liste der Länder gestrichen, welches das WHO-Ziel 2030 voraussichtlich erreichen werden. Der Grund: Hierzulande werden weniger als 7% der (geschätzten) Patienten pro Jahr behandelt. Deutschland ist vorbildlich beim Therapiezugang, aber schwächelt beim Screening. Wer hierzulande krankenversichert ist und von seiner chronischen Hepatitis B oder C weiß, bekommt eine Therapie von der Krankenkasse erstattet. Das Problem ist, dass auch in Deutschland viele Betroffene noch gar nicht diagnostiziert sind. Dies zeigt sich insbesondere bei der chronischen Hepatitis C: Die diagnostizierten Patienten sind mittlerweile fast alle behandelt und virusfrei, und es gibt kein nationales Screeningprogramm, um die noch unentdeckten Betroffenen zu diagnostizieren. Diese bleiben nach wie vor gefährdet, eines Tages an den tödlichen Spätfolgen der unbehandelten Hepatitis C zu erkranken.

 

Hepatitis B und C in Deutschland

Das Bundesgesundheitsministerium schätzte im Jahr 2016, dass in Deutschland jeweils 300.000 chronisch mit Hepatitis B und eine gleich hohe Zahl von mit Hepatitis C infizierte Personen leben. Viele wissen nichts von ihrer Infektion.

Hepatitis B wird über Körperflüssigkeiten durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut, Sperma, Scheidensekret und ggf. Speichel übertragen, Hepatitis C vor allem durch direkten Kontakt mit infiziertem Blut. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören Blutprodukte vor 1990 (für Hepatitis C), erhöhte Leberwerte, eine Hepatitis B oder C in der Partnerschaft oder Familie, ein häufiger Partner­wechsel, Tätowierungen und Piercings, gemeinsam benutztes Spritzbesteck beim intravenösen Drogenkonsum, Herkunft aus Ländern, in denen in denen Hepatitis B und C weit verbreitet sind sowie schlechte Hygiene bei medizinischen Eingriffen.

Ein effektives Screening auf Hepatitis B und C fehlt bisher hierzulande, obwohl das Bundesgesund­heitsministerium 2016 in seiner „BIS 2030“-Strategie die Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen bis zum Jahr 2030 beschlossen hat und somit ein fast identisches Ziel verfolgt wie die Weltgesundheitsorganisation. Um bisher nicht erkannte Hepatitis-B- und -C-Infektionen zu diagnostizieren, wird in diesem Strategiepapier die niedrigschwellige Testung beim Hausarzt neben der Testung von Risikopersonen hervorgehoben. Es ist wichtig, dass alle Akteure im Gesundheitswesen nun an einem Strang ziehen, um dieses Ziel zu verwirklichen. So ließe sich das Ziel, zwei große Gesundheitsbedrohungen in Deutschland bis 2030 einzudämmen, doch noch erreichen.

 

Welt-Hepatitis-Tag

Am 28. Juli 2018 ist Welt-Hepatitis-Tag, der dieses Jahr unter dem Motto steht: „Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ Im Hauptfokus des Aktionstages stehen die chronische Hepatitis B und C, welche weltweit insgesamt über 300 Millionen Menschen betreffen. Viele Patienten ahnen nichts von ihren Infektionen, die lange stumm verlaufen und unbehandelt zu tödlichen Spätfolgen führen können. Für beide Infektionen gibt es jedoch wirksame Behandlungsmöglichkeiten: Hepatitis B ist kontrollierbar und Hepatitis C ist sogar heilbar. Umso wichtiger ist es, die unbekannt Infizierten rechtzeitig zu finden.

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag finden Sie auf www.welthepatitistag.info und in englischer Sprache auf www.worldhepatitisday.org.

 

Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde vor 31 Jahren von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf der Lebererkrankungen als „selbstverschuldete” Krankheiten zu verbessern. In diesem Rahmen ist die Leberhilfe in Deutschland Ausrichter des Welt-Hepatitis-Tages. Der Verein wird von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die

Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten.

 

 

Kontakt.:

Deutsche Leberhilfe e.V.
Tel.: 0221/2829980
info@leberhilfe.org
www.leberhilfe.org

Informationen zum Welt-Hepatitis-Tag:

www.welthepatitistag.info und
www.worldhepatitisday.org

 

 

 

Quellen:

  1. Bundesministerium für Gesundheit: BIS 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Stand: 12. April 2016. https://www.bundesregierung.de/Content/Infomaterial/BMG/_2851.html; letzter Zugriff 23. Juli 2019
  2. Cornberg M et al.: Aktualisierung der S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion. Z Gastroenterol 2011; 49: 871–930. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/Leitlinie_Hepatitis_B.pdf; letzter Zugriff 24. Juli 2019
  3. National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIH): Trial Evaluating Experimental Hepatitis C Vaccine Concludes. https://www.niaid.nih.gov/news-events/trial-evaluating-experimental-hepatitis-c-vaccine-concludes; letzter Zugriff 24. Juli 2019
  4. Sarrazin C et al.: S3-Leitlinie„Prophylaxe, Diagnostik und Therapie derHepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion“. Z Gastroenterol 2018; 56: 756–838. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2018/07/Leitlinie-Hep-C-2018.pdf; letzter Zugriff 24. Juli 2019
  5. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Consolidated strategic information guidelines for viral hepatitis: Planning and Tracking Progress towards Elimination. https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/310912/9789241515191-eng.pdf Letzter Zugriff 23.07.2019.

 

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