17. Oktober

PBC – mehr Lebensqualität mit Vitamin D?

Die primäre biliäre Zirrhose (PBC) ist eine Autoimmunerkrankung, die mit einer chronischen Entzündung der Gallengänge einhergeht. Im Laufe der Erkrankung kann die Entzündung auch auf die Leber übergreifen und schließlich zur Zirrhose führen. Auch wenn die Erkrankung mit Ursodeoxycholsäure (UDC) meist gut therapiert werden kann, so sind es die PBC-typischen Symptome, wie starker Juckreiz sowie bleierne Müdigkeit und Erschöpfungszustände (Fatigue), die für die betroffenen Patienten oft sehr belastend sind.

 

Fatigue und Lebensqualität

Fatigue hat dabei offensichtlich den größten Einfluss auf die Lebensqualität. Das sind auch die Ergebnisse der britischen PBC-Kohorte, in der kontinuierlich Daten von über 2.300 PBC-Patienten gesammelt werden. Diese Art der Müdigkeit und Erschöpfung macht es vielen Betroffenen unmöglich, aktiv am sozialen Leben teilzunehmen. Daraus resultierende Depressionen wirken sich auch negativ auf die Lebensqualität aus, so die Forscher Mells und Kollegen. Über ein Drittel der PBC-Betroffenen (35%) empfindet die eigene Lebensqualität als schlecht.

Auch wenn die Krankheit behandelt werden kann, heißt das nicht, dass die Lebensqualität steigt. Die PBC-Symptome sind offenbar unabhängig davon, ob die Behandlung mit UDC anschlägt oder nicht. Die Forscher plädieren für eine umfassende Behandlung der Symptome, um sowohl die Beschwerden zu lindern als auch das Sozialleben der Patienten positiv zu beeinflussen. Die schottische Hepatologin Prof. Newton empfiehlt, bei Müdigkeit auch andere Faktoren auszuschließen, die nicht direkt mit der PBC zu tun haben: Hierzu gehören Nebenwirkungen anderer Medikamente, Störungen des Schlafrhythmus oder des vegetativen Nervensystems ebenso wie Stress durch veränderte Lebenssituationen.
Auch kann Vitamin-D-Mangel die Ursache für die Fatigue sein; dies legen verschiedene Forschungsarbeiten nahe.

 

Vitamin D und PBC – neue Ansätze in Sicht?

Vitamin D wird ein antifibrotischer Effekt zugeschrieben: Das heißt, Vitamin D kann die krankhaften chronischen Umbauprozesse, die zur Leberzirrhose führen, günstig beeinflussen. Vitamin D wirkt ebenfalls auch auf das Immunsystem ein. Es hat „immunmodulatorische“ Fähigkeiten, d.h. es reguliert bestimmte Prozesse der Immunabwehr. Inwieweit Vitamin D auch Einfluss auf die PBC hat, wird noch diskutiert.

 

  1. a) Vitamin-D-Mangel als Ursache?

Vitamin-D-Mangel könnte einer der Faktoren sein, welche die Entstehung von Autoimmunerkrankungen begünstigen. Für diese These spricht, dass Vitamin-D-Mangel bei Autoimmunerkrankungen oft vorkommt. Ebenfalls kommen Autoimmunkrankheiten in Regionen mit geringer Sonneneinstrahlung häufiger vor als in Regionen nahe am Äquator.
Vitamin D wird nur zu sehr geringen Anteilen über die Nahrung aufgenommen. Der Körper selbst bildet eine Vorstufe, die dann unter Einwirkung von Sonnenlicht zu Vitamin D umgebaut wird. Mangel an Sonnenlicht bedeutet daher auch einen Mangel an Vitamin D. Es ist noch weitere Forschungsarbeit nötig, um die Zusammenhänge von Vitamin D und PBC bzw. generell Autoimmunerkrankungen zu klären.

 

  1. b) Vitamin D bei PBC-Patienten

In Studien wird auch der Effekt von Vitamin D auf Patienten untersucht, die bereits an PBC erkrankt sind. So zeigte sich in einer Studie bei PBC-Patienten, die mit Calcium und Vitamin D behandelt wurden, eine Verbesserung der Fatigue-Symptome. Vitamin D könnte auch positive Auswirkungen auf bestimmte Antigene, Rezeptoren und Proteine im Körper haben – und damit die PBC-Aktivität gewissermaßen abschwächen. Die genauen Wirkweisen und Zusammenhänge sind auch hier sehr komplex. Die Forscher vermuten aber einen günstigen Einfluss von Vitamin D auf die PBC.
Auch wenn diese Ergebnisse durchaus ermutigend klingen, sollte man nicht gleich eigenmächtig zu Vitamin-D-Präparaten greifen: Denn auch bei den nur vermeintlich harmlosen Vitaminen kommt es auf die richtige Dosis an. Eine langfristige Überdosierung von Vitamin D kann unter anderem Bluthochdruck, Nierenschäden oder Osteoporose hervorrufen. Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt, ob bei Ihnen ein Vitamin-D-Mangel vorliegt und ob dieser ggf. ausgeglichen werden sollte.

Auf jeden Fall können Sie selbst für einen gesteigerten Vitamin-D-Spiegel durch mehr Sonnenlicht sorgen. Halten Sie sich im Freien auf, gehen Sie spazieren, genießen Sie die Sonne (beispielsweise etwa 15 Minuten am Tag)! Neueste Untersuchungen weisen auch bei einer anderen Autoimmunerkrankung (Multiple Sklerose) darauf hin, dass ein Mehr an Sonnenlicht dort ebenfalls die Symptome Fatigue oder Depression effektiv lindern kann.

Autor: Redaktion Leberhilfe | Köln

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