6. Februar

Neuralgische Amyotrophie bei Hepatitis E

20. Oktober 2025 

Ich (männlich, 57 Jahre) spürte erste Schmerzen in der linken Schulter, die mich eindringlich daran erinnerten, meine täglichen Halswirbelsäule (HWS)-Übungen zur Mobilisation und Stärkung der Muskeln wieder aufzunehmen.

Dazu kam es vorerst nicht mehr, denn vor allem nachts quälten mich derart starke stechende Schmerzen, dass an Schlaf kaum zu denken war. Eingenickt drehte ich mich von der nicht ganz so schmerzhaften Rückenlage unbemerkt auf die Seite, was stets zur Intensivierung beitrug. Dies Seitenschläfer-Problem hielt zwei Monate an.

400 mg Ibuprofen alle drei Stunden brachten auch keine Linderung. Heute weiß ich, dass diese Art von Medikamenten bei Nervenschmerzen ohnehin nicht helfen.

Auch eine Kombination aus einer Kortison- und Schmerzmittelspritze brachte nur kurz Linderung.

Da ich 2021 ähnliche Probleme hatte, beunruhigten mich zunächst auch diese intensiven Schmerzen und der Kraftverlust in der linken Hand nicht sonderlich. Wie damals wurden mir täglich in den Schulterbereich viele kleine Kortison-Injektionen gesetzt, um die Entzündung zu reduzieren.

Dieses Mal jedoch besserte sich nichts und der Kraftverlust schritt fort. Auch hatte ich das Gefühl, dass alles, was ich aktiv tat, mehr schadete als nutzte. Und dieses Körpergefühl war genau richtig zu der Zeit, wie ich später erfuhr.

Nach bereits 14 Tagen mit wenig Schlaf zeigte sich zudem ein deutlich sichtbarer Muskelschwund an der linken Hand. Dies ließ auch meinen Orthopäden stutzig werden, aber in der Behandlung fuhr er fort. Dies auch, weil ein MRT (altersbedingte) Degenerationen der Halswirbel zeigte, die schonmal Probleme bereiten können.

Nach einer Woche Unterbrechung der Spritzen bin ich dann am 17.11.25 wieder in die Orthopädie gegangen, weil die penetranten Schmerzen nicht nachließen und der Kraftverlust weiter bestand.

Dort wurde mir – nun sichtlich besorgt – eine Nervenmessung und Überweisung zum Neurologen angeraten. Die Nerventests erfolgten zum Glück unverzüglich. Die Nervenleitung für die linke Hand war so schlecht, dass mit Verdacht auf eine „Neuralgische Amyotrophie“ die sofortige Einweisung in die Neurologie erfolgte. Dies wohl auch, weil die Ausprägung ungewöhnlich war.

 

17. November 2025 

In der Notaufnahme hatte ich viel Zeit, das Krankheitsbild zu googeln. Dort fand ich alles wieder, was mich quälte und sich diesmal von dem „üblichen“ Schulter-Arm-Syndromen oder Verspannungsschmerzen oder sonstigen Entzündungen in und um die Schulter unterschied.

Ein entzündeter Plexus Brachialis also, das Nervengeflecht im Schulterbereich.

Auf Station gab es drei Tage lang intravenös hochdosiertes Kortison, was dann ausgeschlichen wurde. Dazu wurden unzählige weitere, z.T. auch wenig angenehme Tests gemacht: Die Punktion zur Entnahme des Nervenwassers würde ich z.B. niemals wieder ohne örtliche Narkose machen lassen. Sieben Versuche und ein Arztwechsel waren nötig, bis endlich etwas von der klaren Flüssigkeit gewonnen wurde. Hier war alles negativ.

Mit erhöhten Leberwerten von GGT 110 und Nachweis auf Hepatitis-E-Antikörper war dem Chefarzt die Diagnostik klar: Neuralgische Amyotrophie (NA), ausgelöst durch eine (überstandene) Hepatitis-E-Infektion. Ich hatte wegen der Leberwerte eher den Alkoholkonsum am Wochenende vor der Notaufnahme in Verdacht gehabt. Auch fehlten bei mir alle Symptome einer mir bis dato unbekannten Hepatitis-E-Infektion.

Wie auch immer. Offenbar „erinnert“ sich auch das Immunsystem gut an bekannte Schwächen, wie meine seit 20 Jahren immer mal wieder schmerzende Schulter und die bereits durchlebte Entzündung vor vier Jahren. Dazu ein oder mehrere Trigger: sei es die ungünstige Seitenschläfer-Lage im fremden Bett, ungewohnte Tätigkeiten oder eben dieses E-Virus.

Auffällig war, dass beide Ereignisse nach zwei bis drei Wochen Aufenthalt in Portugal stattfanden.

Am Ende weiß man immer noch nicht genau, was für eine Art „begrenzte“ Autoimmunkrankheit in einer NA die Nerven wie und warum so angreift. Ein Online-Artikel im Ärzteblatt und die Berichte hier bei der Leberhilfe haben mir sehr geholfen, die Ruhe zu bewahren, auch als sich dann Missempfindungen in den großen Zehen meldeten, die bis heute andauern.

Nach fünf Tagen wurde ich aus der Station entlassen und es begann eine ambulante, ganztägige dreiwöchige Therapie. Dort wurde letztendlich an den Symptomen und Wiederaufbau gearbeitet.

Der gemessene „Händedruck“ links betrug und beträgt wohl auch noch heute nur 2 kg statt 42 kg rechts: Das sind minus 95%! Ohnehin wurde mir erst in der Reha bewusst, wie groß der Schaden ist, da ich nichts kompensieren durfte, sondern gezielt mit der schwachen Hand arbeiten musste.

Unterschätzt habe ich den durch die Nervenschäden gereizten Sympatikus. Dieser brachte mich mit einer „Blutdruckentgleisung“ infolge körperlicher Belastung von der Reha direkt mit dem RTW in die Kardiologie. Ohne Befund, aber man sprach von „Belastungsintoleranz“ auch infolge der Nerven, die die Atemhilfsmuskulatur betreffen. Nach intensivem Austausch mit der KI und Online-Artikeln wurde mir erst klar, wie komplex die NA und eine Hepatitis-E-Infektion sein können. Bitte also keine Grenzen überschreiten oder testen, sich viel Ruhe gönnen, Geduld proben und am besten kein Alkohol, das bekannte Nervengift.

27. Januar 2026

Mehr als drei Monate nach den ersten Symptomen bin ich immer noch wenig belastbar. Seit einem Monat bin ich aber weitgehend schmerzfrei und führe mit äußerst mäßigem Erfolg das Gelernte aus der Reha fort. Dazu als Schlüsselbaustein dreimal wöchentlich Physiotherapie, um die verspannte Schulter zu lockern.

Mit dem starken Kraftverlust und dem damit verbundenen intensiven Nervenschaden prophezeite man mir frühestens ab jetzt kleine Erfolge. Eine deutliche Verbesserung sei erst zum Jahresende zu erwarten.

Meine Leberwerte waren dagegen Ende 2025 schon wieder im Normalbereich, die Nieren- und Entzündungswerte kräftig in Richtung Normalkurs, das Kontrastmittel-MRT vom Plexus unauffällig.

Weiterhin Ruhe bewahren, langsam die Übungen für Finger und HWS steigern, aber nie die Belastungsgrenzen ausreizen – das scheint mir ein guter Rat.

Die EMS-Eigentherapie habe ich erstmal reduziert, da die „5%-Muskeln“ schnell überfordert sind.

Auch hier kann ich nur Positives zur „Diskussion“ mit der KI berichten, die mich vor vielen Fehlern bewahrt hat: Abbrechen, wenn man aus der Puste kommt, nicht durchziehen.

Den Blutdruck protokolliere ich nach wie vor täglich; dies kann dich nur empfehlen, da dies ein guter Marker ist, was im Körper gerade „los ist“.

Eine echte Therapie gibt es letztendlich nicht. Aber man kann dem Körper Zeit geben, sich zu erholen und ihn mit nur wenigen Minuten, aber eben immer täglich für die Zukunft stärken.

Ob eine Hepatitis E nun beim ersten Ausbruch vor vier Jahren oder vor drei Monaten (mit) Ursache war oder nicht, weiß am Ende niemand sicher. Einiges durcheinanderbringen kann das Virus offenbar schon, und wie eine Leidensgenossin hier treffend schrieb: Ich bin noch lange wieder nicht der Alte.

Hoberger

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