1. Februar

Meine Therapie mit Telaprevir

Vor 26 Jahren habe ich bei einer Bluttransfusion Hep C bekommen. Festgestellt wurde dies allerdings erst 1989, da meine Leberwerte so hoch waren. Durch eine Biopsie wurde es dann gewiss. Damals hieß die Krankheit noch Non-A-Non-B-Hepatitis. Ich machte eine Interferon-Therapie. Erst nach einem halben Jahr schlug die Therapie an, und meine Werte gingen zurück, der Virus jedoch blieb. Nach meiner Heirat 1991 hatte ich natürlich auch den Wunsch, ein  Kind zu bekommen. Da meine Werte fast im Normalbereich waren, erlaubten mir die Ärzte, schwanger zu werden. Während der Schwangerschaft gingen meine Werte in den Normalbereich zurück und ich freute mich sehr. Ca. vier Wochen nah der Entbindung (Kaiserschnitt) waren die Laborwerte in die Höhe geschossen. Ich musste also wieder eine Interferon-Therapie machen. Ich machte eine reine Interferon-Therapie, da ich mir nicht sicher war, ob das mit dem Ribavirin okay war. Wieder ein Jahr lang spritzen, damals noch dreimal die Woche. Ich war wieder depressiv, verlor meine Haare und auch mein Gewicht. Mein Mann und auch mein kleiner Sohn spürten das sehr deutlich. Ich fühlte mich extrem minderwertig, da ich mich nicht richtig um unser Kind kümmern konnte. Das war 1996. Danach hatte ich zwei Jahre Ruhe.

1998 bekam ich chronische Polyarthritis. Es hat jahrelang gedauert, bis ich medikamentös eingestellt war, da durch diverse Rheumamittel meine Leberwerte anstiegen (z. Bsp. durch Cortison, Methotrexat, etc.)

Erst als ich den richtigen Arzt fand, wurde mir durch einen TNFAlpha-Blocker geholfen und ich konnte fast schmerzfrei leben. Ich ging weiterhin regelmäßig zur Blutabnahme, um meine Leberwerte zu kontrollieren. Mein Sohn ist übrigens negativ getestet worden auf Hep C. Ich habe ihn mit Kaiserschnitt entbunden. Die Lehrmeinung behauptet heute, dass ein Kaiserschnitt bei Hepatitis C nicht nötig ist. Ich denke trotzdem, dass der Kaiserschnitt damals das Risiko gesenkt hat. Mein Mann und ich entschieden uns, keine weiteren Kinder mehr zu bekommen, da das Risiko eines erneuten Ausbruches der Krankheit zu hoch sei.

2011 erfuhr ich von meinem Leberarzt von der dreifachen Therapie mit Telaprivir. Da ich zum Zeitpunkt der Bluttransfusion erst 17 Jahre alt war, und ich die Hep C schon so lange habe, wurde mir nahegelegt, diese Dreifachtherapie zu machen. Ich musste hierfür mein Basisrheumamittel absetzen.

Im März 2012 fing ich mit der Therapie an. Dass die 12-Wochen-Kur mit Telaprivir mich so umhaut, hätte ich nicht gedacht. Ich war nur noch müde, schlief fiel und fühlte mich miserabel. Am schlimmsten fand ich, alle 8 Stunden etwas Fettiges essen zu müssen. Ich habe oft gebrochen und am Ende der 12 Wochen war ich blutarm und bekam Aufbauspritzen. Eine Bluttransfusion lehnte ich ab, da ich ja durch so etwas erst die Hep C bekommen habe.
Das Interferon und das Ribavirin nehme ich weiterhin. Bis Februar 2013 muss ich noch durchhalten. Ich fühle mich weiterhin schlecht, habe abgenommen, die Haare sind ganz kurz geschnitten. Am schlimmsten sind meine Rheumaschmerzen, die ich habe, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit.  Aber ich weiß, dass es eine begrenzte Zeit ist und ich danach erstens wohl geheilt bin von Hep C (der Virus ist nicht mehr nachweisbar J) und ich zweitens bald wieder mein Basismedikament gegen mein Rheuma nehmen kann.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich es sehr schade finde, bei anderen Betroffenen zu lesen, wie sie abgelehnt werde wegen der Hep C. Ich habe das in keinster Weise erfahren. Ich gehöre einer Freikirche (Freie evangelische Gemeinde) an, und habe dort immer nur Hilfe erfahren, nie Ablehnung. Ohne die vielen Gebete hätte ich das alles gar nicht durchstehen können. Auch außerhalb der Gemeinde habe ich nie Ablehnung erfahren. Ich bedaure das sehr, dass es anderweitig so ist. Ich habe auch wunderbare Ärzte: meinen Leberarzt sowie meinen Rheumaarzt, die mich sehr gut beraten und auch unterstützen, sogar zu Hause anrufen und nach meinem Befinden fragen.

Ich wünsche allen, die diese Therapie machen oder noch Zweifel haben, viel Erfolg. Es lohnt sich, haltet durch bzw. wagt es. Es ist schwer, aber „nur“ für ein Jahr.

Frauke Dietrich

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