1. Februar

Meine Erfahrungen mit PBC

Nachdem ich einige der Berichte von PBC-Betroffenen gelesen habe, möchte ich ebenfalls einen Beitrag dazu leisten.

Im Dezember 1989 wurde bei mir eine Hysterektomie notwendig. Ich war damals 49 Jahre alt, lebte in Lauenburg bei Hamburg und arbeitete als selbstständige Marktfrau.Vor der Operation wurde mir routinemäßig Blut abgenommen. Als der Stationsarzt an mein Bett kam und mich fragte, wieviel ich trinke, glaubte ich, er hätte festgestellt, dass ich zuwenig Flüssigkeit zu mir nähme. Was leider tatsächlich der Fall war/ist. Als ich aber seinen Gesichtsausdruck sah, fragte ich ihn, ob er von Alkohol spräche, was er bestätigte. Als ich sagte, dass ich außer dem obligatorischen Glas Sekt zu Silvester so gut wie Antialkoholikerin sei, meinte er wörtlich „Ihre Leberwerte sprechen aber eine andere Sprache!“ Das wiederum verschlug mir die Sprache!

Am Entlassungstag riet derselbe Arzt mir dann, die Leberwerte in Kürze nochmals testen zu lassen.

Der Internist, zu dem ich in vierwöchigem Abstand ging, wies mich im Sommer 1990 ins Krankenhaus ein, da die GGT und einige andere Werte ständig gestiegen waren. Dort, nach vielen Untersuchungen und einer etwas missglückten ERCP bei der das Kontrastmittel in die Bauchspeicheldrüse gelangte, die sich daraufhin prompt entzündete, stand die Diagnose PBC fest. Seitdem lebe ich damit, und es geht mir nach wie vor sehr gut!

Was mich erzürnt hat, war die Arroganz des Gynäkologen, der wohl der Meinung war, dass eine Marktfrau dem Alkohol nicht abgeneigt sei. Dass ich vorher Angestellte der Hamburger Ärztekammer war, wusste der gute Mann nicht. Auch im Krankenhaus in dem dann letztendlich die Diagnose gestellt wurde, murmelte man bei der Visite etwas von Autoimmunerkrankung, und als ich nachfragte, wollte man wissen, ob ich denn etwas davon verstünde.

Es ist sehr schön, zu wissen, dass Patienten schon seit längerer Zeit nicht mehr so herablassend behandelt werden wie ich damals.

Glück für mich war 1990, dass man nicht allzu lange vorher festgestellt hatte, dass das Medikament UDC, das ursprünglich zur Therapie bei Cholesterin Gallensteinen eingesetzt wurde, sich günstig auf die Chronisch Destruierende Cholangitits auswirkte.

Mut machen möchte ich allen PBC-Betroffenen, die an meinem Beispiel sehen, wie lange man relativ beschwerdefrei mit der Erkrankung leben kann. Vor der Diagnosestellung litt ich bereits jahrelang unter sehr unangenehmem Juckreiz, was Anlass zu der Annahme gibt, daß die Krankheit schon sehr viel früher ausgebrochen war. Zur Zeit besteht bei mir eine kleinknotige Leberzirrhose, und die Müdigkeit ist manchmal etwas lästig. Wäre nicht die regelmäßige Einnahme der Tabletten, würde ich an die Erkrankung vermutlich nur sehr selten denken!

Eveline Friedrich
(Name von der Redaktion geändert)

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