11. Juni

Globaler Fettleber-Tag: WHO setzt größte Lebererkrankung auf die globale Gesundheitsagenda

Pressemeldung der Deutschen Leberhilfe e.V.: Global Fatty Liver Day am 11. Juni 2026

Köln. Am heutigen 11. Juni 2026 findet der Global Fatty Liver Day statt, welcher vom Global Liver Institute koordiniert wird. Unter dem Motto „Act Now“ klärt der Tag über die Gefahren, Prävention und Behandlung von Fettlebererkrankungen auf, welche in der Fachsprache als „steatotische Lebererkrankungen“ bezeichnet werden.

Nach WHO-Angaben leiden bereits 1,7 Milliarden Menschen weltweit an einer Fettleber. Die häufigsten Risikofaktoren sind Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung; auch erhöhter Alkoholkonsum kann zur Entstehung beitragen. Seltenere Ursachen können Nebenwirkungen von Medikamenten oder seltene Stoffwechselerkrankungen sein.

Für die Betroffenen gibt es in diesem Jahr eine wichtige Nachricht: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Thema Fettlebererkrankungen erstmals in ihre globale Strategie gegen nichtübertragbare Krankheiten aufgenommen. Im Mai 2026 verabschiedete die WHO auf der Weltgesundheitsversammlung eine wegweisende Resolution zu „steatotischen Lebererkrankungen“. Die WHO-Strategie gegen nichtübertragbare Krankheiten konzentrierte sich in den letzten zehn Jahren vor allem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Mit der neuen Resolution erweitert die Weltgesundheitsversammlung diese Agenda erstmals ausdrücklich um das Thema Lebergesundheit.

Internationale Fachgesellschaften wie die EASL, Patientenorganisationen und Gesundheitsexperten bewerten diesen Beschluss als historischen Schritt. Das Global Liver Institute sprach von einem „Meilenstein für die globale Gesundheitspolitik“, der das Ergebnis jahrelanger internationaler Zusammenarbeit und Aufklärungsarbeit ist.

Fettlebererkrankungen gehören mittlerweile zu den größten Herausforderungen für Gesundheitssysteme weltweit. Wenn sich eine Fettleber zusätzlich entzündet, wird dies als MASH bezeichnet – eine metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis. MASH kann langfristig zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. Darüber hinaus erhöht eine Fettleber das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – so kann ein Teufelskreis entstehen, da diese Faktoren wiederum eine Fettleber verschlechtern.

Lebensstiländerungen stehen nach wie vor an erster Stelle: Hierzu gehören eine ausgewogene Ernährung, mehr Bewegung, der Abbau von Übergewicht und der Verzicht auf Alkohol. Insbesondere eine mediterrane Diät zeigt positive Auswirkungen auf die Erkrankung. Wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen, gibt es inzwischen auch medikamentöse Therapiemöglichkeiten, die für ausgewählte Patientengruppen infrage kommen. Sowohl Lebensstiländerungen als auch medikamentöse Therapien können dazu führen, dass sich eine Fettlebererkrankung ganz oder teilweise zurückbildet.

Die WHO fordert ihre Mitgliedstaaten in der Resolution auf, Lebergesundheit künftig als festen Bestandteil der Strategien gegen nichtübertragbare Krankheiten zu verankern. Vorsorge, Früherkennung, Versorgung sowie Forschung für Fettlebererkrankungen sollten deutlich ausgebaut werden.

„Dieser Erfolg ist ein hervorragendes Beispiel dafür, was durch globale Zusammenarbeit erreicht werden kann“, sagte Giacomo Donnini, Programmdirektor des Global Liver Institute. „Patienten, Forschende, Ärzte, politische Entscheidungsträger sowie Vertreter der Industrie haben sich mit einem gemeinsamen Ziel zusammengeschlossen: sicherzustellen, dass die steatotische Lebererkrankung weltweit die Aufmerksamkeit erhält, die ihr zusteht.“

Für Menschen mit Fettlebererkrankungen weltweit bedeutet die Entscheidung vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit für eine häufig unterschätzte Erkrankung. Experten gehen davon aus, dass viele Betroffene bislang unerkannt bleiben, da die Erkrankung oft über Jahre keine Beschwerden verursacht. Eine frühzeitige Diagnose kann jedoch helfen, schwere Folgeschäden zu verhindern.

Weitere Informationen zu Fettlebererkrankungen und zum Global Fatty Liver Day finden Sie auf der Webseite der Deutschen Leberhilfe unter www.leberhilfe.org und auf der internationalen Webseite des Global Liver Institute unter globalfattyliverday.com/

Deutsche Leberhilfe e.V.

 

Neue Fachbegriffe seit Sommer 2023

Die Fachbegriffe für Fettleberkrankheiten wurden im Juni 2023 weltweit geändert. Für Betroffene ist es gut, diese zu kennen und im Arztgespräch zu verstehen. Die Bezeichnungen lauten nun wie folgt:

  • Steatotische Lebererkrankung (SLD): Dieser Oberbegriff schließt alle Fettlebererkrankungen unabhängig von der Ursache ein.
  • Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatotische Lebererkrankung (MASLD): Dies bezeichnet nun Fettlebererkrankungen, welche im Rahmen metabolischer Erkrankungen (d.h. Übergewicht, Diabetes etc.) auftreten. Der frühere Begriff war „nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen (NAFLD)“.
  • Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH): Dies bezeichnet nun eine Fettleberentzündung, die im Rahmen metabolischer Erkrankungen auftritt. Der frühere Begriff war „nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH)“.
  • MetALD (Aussprache: Met A-L-D): Dies ist eine neu geschaffene Kategorie. Der Begriff beschreibt Fettlebererkrankungen, welche gleichzeitig durch metabolische Störungen und übermäßigen Alkoholkonsum verursacht sind.
  • Kryptogene steatotische Lebererkrankung: Dies ist nun ein Oberbegriff für Fettlebererkrankungen unbekannter Ursache (kein Alkohol, keine metabolischen oder anderen Faktoren). „Kryptogen“ ist der Fachbegriff für „unbekannte Ursache“.

Die Deutsche Leberhilfe e.V. verwendet in ihren Patienteninformationen weiterhin den bekannten und gängigen Begriff „Fettlebererkrankungen“.

 

 

Quellen:

Resolution der WHO: https://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/EB158/B158_R1-en.pdf

Pressemeldung des Global Liver Institute: Years of Advocacy Have Led to the Adoption of the Resolution “Steatotic Liver Disease: A Missing Piece in Global NCD Response” | Global Liver Institute

 

Über das Global Liver Institute

Das Global Liver Institute ist eine 501(c)(3) steuerbefreite gemeinnützige Organisation mit Hauptsitz in Washington, D.C., Vereinigte Staaten. Das GLI ist die einzige gemeinnützige Organisation für Lebergesundheit, die in den USA und Europa tätig ist. Es setzt sich dafür ein, dass der Lebergesundheit der Stellenwert in der globalen öffentlichen Gesundheitsagenda eingeräumt wird, der ihrer Prävalenz und ihren Auswirkungen angemessen ist. Die Hauptaufgabe des GLI besteht darin, die Effektivität der Leber-Community zu stärken, indem es Innovation, Zusammenarbeit und die Skalierung optimaler Ansätze zur vollständigen Heilung von Lebererkrankungen fördert. Weitere Informationen zum GLI finden Sie unter www.GlobalLiver.org. Folgen Sie dem GLI auf Twitter und Facebook unter @GlobalLiver und auf Instagram unter @globalliverinstitute.

 

Wer ist die Deutsche Leberhilfe e.V.?

Die Deutsche Leberhilfe e.V. wurde im Jahr 1987 von engagierten Patienten gegründet. Der gemeinnützige Verein ist bundesweit tätig und hat sich als Informationsschnittstelle zwischen Ärzten und Leberpatienten etabliert. Die Leberhilfe verfolgt als Hauptziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem sie Patienten und ihre Angehörigen berät und Informationsschriften in verständlicher Sprache herausgibt. Ein weiteres Ziel des Vereins ist es, die Bevölkerung über mögliche Ursachen, Verlauf, Therapie und Verhütung von Leberkrankheiten zu informieren. Langfristig soll dies dazu beitragen, Vorurteile zu entkräften und den schlechten Ruf von Lebererkrankungen als „selbstverschuldete“ Krankheiten zu verbessern. Der Verein wird von einem ehrenamtlich tätigen Vorstand geleitet und hat in Köln seine Geschäftsstelle, die mit erfahrenen Mitarbeitern besetzt ist. Bei medizinischen Fragen wird die Leberhilfe von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Dieser besteht aus namhaften Fachärzten und Wissenschaftlern, die die Richtigkeit, Aktualität und Seriosität der medizinischen Informationen gewährleisten. Weitere Informationen zur Deutschen Leberhilfe e.V. finden Sie unter www.leberhilfe.org.

 

Pressekontakt:

Ingo van Thiel
Redaktion
Deutsche Leberhilfe e.V.
Krieler Str. 100
50935 Köln
E-Mail (Redaktion) lebenszeichen@leberhilfe.org
Tel. (Redaktion): 0221/2829991

E-Mail für Patientenberatung: info@leberhilfe.org
Telefon für Patienten: 0221/2829980

 

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