22. Oktober

Fettleber-Epidemie eindämmen: Fachgesellschaften veröffentlichen Strategiepapier

Fettlebererkrankungen, auch als steatotische Lebererkrankungen bezeichnet, greifen immer weiter um sich. Ein breites Bündnis von Fachgesellschaften und Patientenorganisationen hat nun ein Strategiepapier mit Vorschlägen veröffentlicht, wie dieser Epidemie von Fettlebererkrankungen begegnet werden kann. Geleitet wird das Bündnis von der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS), mit Beteiligung der Deutschen Adipositas Gesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V, der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V., dem Bundesverband Niedergelassener Gastroenterologen, der Deutschen Leberstiftung und  der Deutschen Leberhilfe e.V.

Laut WHO-Schätzungen im Mai 2026 sind weltweit 1,7 Milliarden Menschen von einer Fettlebererkrankung betroffen. In Deutschland schätzen Fachgesellschaften, dass 20 Millionen Menschen mit einer Fettlebererkrankung leben. Eine der wichtigsten Ursachen ist die steigende Zahl von Menschen mit metabolischem Syndrom, einer gefährlichen Kombination aus Adipositas, Insulinresistenz und schlechten Blutfettwerten; erhöhter Alkoholkonsum ist ein weiterer möglicher und häufiger Faktor. Obwohl nicht jede Fettlebererkrankungen zu schweren Leberschäden voranschreitet, sind sie aufgrund ihrer großen Verbreitung heute bereits die häufigste Ursache für Zirrhose und Leberkrebs. Nicht zu unterschätzen ist zudem der negative Einfluss einer Fettleber auf die gesamte Gesundheit: Insbesondere das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen steigt erheblich. Zudem kann eine Fettleber wiederum zu einer Verschlechterung der Insulinresistenz und zunehmender Adipositas führen.

Das Strategiepapier macht konkrete Vorschläge, wie der Epidemie zu begegnen ist.

  • Fettlebererkrankungen möglichst verhindern: Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sollen stärker gefördert werden. Dazu fordert das Bündnis unter anderem eine verpflichtende Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, eine Zuckersteuer, ein Verbot von Werbung für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet, sowie eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Alkohol. Auch Bewegungsangebote in Kindergärten, Schulen und am Arbeitsplatz sollen ausgebaut werden. Die Lebergesundheit soll zudem ausdrücklich in die nationale Präventionsstrategie aufgenommen werden.
  • Fettlebererkrankungen und drohende Leberschäden früher erkennen: Da eine Fettleber oft über Jahre keine Beschwerden verursacht, bleiben viele Erkrankungen lange unentdeckt. Deshalb soll die Lebergesundheit künftig stärker bei allgemeinen Gesundheitsuntersuchungen berücksichtigt werden. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko soll insbesondere der sogenannte FIB-4-Test eingesetzt werden. Dabei wird anhand des Alters und einiger einfacher Blutwerte berechnet, wie hoch das Risiko für eine fortgeschrittene Vernarbung der Leber ist. Auch die ärztliche Beratung zur Lebergesundheit soll verbessert werden.
  • Weiterführende Leberuntersuchungen besser zugänglich machen: Wenn erste Untersuchungen auf mögliche Leberschäden hinweisen, sind genauere Untersuchungen erforderlich. Hierfür soll insbesondere die sogenannte Leberelastographie flächendeckend verfügbar und angemessen vergütet werden. Mit diesem speziellen Ultraschallverfahren lässt sich die Steifigkeit der Leber messen und damit abschätzen, ob bereits eine stärkere Vernarbung vorliegt.
  • Die medizinische Versorgung von Betroffenen verbessern: Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes haben ein besonders hohes Risiko für Fettlebererkrankungen. Deshalb sollen Leberuntersuchungen und gegebenenfalls eine Behandlung auch fester Bestandteil der bestehenden strukturierten Behandlungsprogramme für diese Erkrankungen werden. Zudem sollen langfristige Angebote zur Ernährungsumstellung und Bewegungsförderung ausgebaut werden. Für Menschen mit einem besonders hohen Risiko für schwere Leberschäden sollen auch neue medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten gezielt eingesetzt werden können.
  • Mehr Forschung zu Fettlebererkrankungen ermöglichen: Die Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten von Fettlebererkrankungen sollen weiter erforscht werden. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie sich Menschen mit einem hohen Risiko frühzeitig erkennen und schwere Folgeerkrankungen verhindern lassen. Auch soll untersucht werden, welche Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen den größten Nutzen bringen und wie sich diese möglichst wirksam und wirtschaftlich in der Gesundheitsversorgung umsetzen lassen.

Das Strategiepapier können Sie hier lesen.

Ihre Deutsche Leberhilfe e.V.

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