1. Februar

Erfahrungsbericht Fettleber

Wegen eines Versicherungswechsels ging ich zum Hausarzt, um einen Gesundheitscheck zu machen. Zu meinem Entsetzen teilte dieser mir mit, dass ich eine Fettleber habe.

Damals wog ich ca 96 kg bei 183 cm Größe. Also ein BMI von 28,6, was über dem Normalen ist, jedoch nicht allzu bedenklich.

Jedoch trank ich seit meinem Studium also ziemlich genau 10 Jahre zwar mäßig aber doch sehr regelmäßig Bier oder Wein also ca 50mg (ca. 2 viertel Wein oder zwei Bier) täglich. Betrunken bin und war ich so gut wie nie. Auch trank ich nie tagsüber sondern immer nur beim oder nach dem Abendessen.

Da in München Biertrinken zur Normalität gehört, hatte ich mir zuvor auch kaum Gedanken gemacht, vor allem da mir Bier und Wein einfach gut schmeckten und ich es ganz gut vertragen kann.

Der Arzt dramatisierte den Befund sehr und auch meinen Alkoholkonsum.

Wegen der Leberwerte ging ich nach einer Woche Alkoholabstinenz wieder zum selben  Hausarzt wegen den Blutwerten. Zwei Tage später kamen die Resultate und er meinte das jetzt alles doch OK sei.

Nachdem der Hausarzt beim ersten Befund total über reagiert hatte (meine Leber total kaputt, ich Alkoholiker)  und  nach dem zweiten Blutbild meinte es sei alles wieder in bester Ordnung, konnte ich den nicht mehr ernst nehmen. D.h ich genehmigte mir wieder mein Feierabendbier.

Zudem fand ich damals seltsamerweise kaum Infos darüber, wie man eine Fettleber wieder abbauen kann.

Nach dem Sommerurlaub in Frankreich, wo zum Essen auch viel Wein getrunken wurde, hatte ich dann die Nase voll vom Alkohol. Ich konnte auch kein Wein mehr sehen. In der Nacht schwitzte ich häufiger (tendenziell seit meiner Kindheit), erkältete mich leicht und  wenn ich ein Gläschen Wein trank spürte ich Abend beim zu Bett gehen  ein ziehenden Schmerz am rechten unteren Rippenbogen. Ich Trank über die Wochentage nichts und am Wochenende dann auch nur die Hälfte wie sonst. Ohne die Ernährung sonst umzustellen nahm ich so über 5 kg ab.

Ohne mir dies wirklich für das neue Jahr vorgenommen zu haben laufe ich inzwischen drei mal die Woche, fühle mich viel frischer und tagsüber viel munterer als bisher. Trinke nur noch Sonntags ein Glas Wein und mir geht es sehr gut. Inzwischen wiege ich 88Kg und will noch ca 8 kg  bis 15 kg abnehmen. Die Leber (Blut) Werte will ich noch irgendwann checken lassen.

Als Fazit bin ich immer mehr entsetzt, wie Ärzte manchmal reagieren und auch kaum aufklären. Man eignet sich lieber Halbwissen aus dem Internet an (besser als keines), was dann auch von einem selbst fehlinterpretiert werden kann. Auch wird in Schwarz-Weiß-Rastern und sehr eindimensional gedacht. Zeitweise nahm ich auch regelmäßig Medikamente, von denen auch eines (Strattera) unter Verdacht steht, die Leber zu schädigen.

Zum anderen fiel mir auf, dass durch den verminderten Alkoholkonzum (der mir Anfangs schwer viel) der Körper die verminderte Energie durch süße Limonade wieder zuführen wollte. Diese trinke ich sonst gar nicht, hatte dann aber ganz plötzlich einen großen Durst darauf. So Sprüche wie „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“ oder „ein Glas Wein am Tag ist gesund“ führen einen schon in die Irre. Oft gibt es Gruppen, die das eine gleich verteufeln oder die anderen, die alles verharmlosen. Wichtig, aber schwer, ist die richtige Balance von allem zu finden.

Der Verfasser möchte anonym bleiben.

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