1. Februar

Cholangiozelluläres Karzinom (CCC)

Bedingt durch meinen Wechsel zu einem neuen Hausarzt stand im Juni 2015 auch die Erstellung eines Blutbilds an, ohne dass ich mit meinen 65 Jahren irgendwelche Beschwerden hatte. Dabei stellte sich ein erhöhter Leberwert y-GT (282 statt max. 55) heraus, der allerdings ein Jahr zuvor beim vorherigen Arzt auch schon bei 296 statt max. 60 gelegen hatte.

Mein neuer Hausarzt ging gründlicher vor und untersuchte die Leber zunächst sonografisch und stellte dabei unklare Veränderungen fest. Er veranlasste eine MRT, die folgenden Befund erbrachte: „Der linke Leberlappen ist nahezu komplett mit multiplen Raumforderungen durchsetzt. Rechtsseitig sind die Segmente 1, 5 und 6 ebenfalls mit multiplen rundherdartigen Raumforderungen mit einer Größe von bis zu 2 cm befallen. Die übrigen Oberbauchorgane sowie Lymphknoten stellen sich unauffällig dar.“

Das war für mich, bislang lebensfroh, sorglos und sportlich aktiv, ein großer Schock, den ich aber mit Hilfe meiner Frau und meiner Kinder sowie eigener positiver Einstellung gut überwand. Nun folgten im Krankenhaus gründliche Untersuchungen des gesamten Körpers, die glücklicherweise keinen weiteren Metastasenbefall diagnostizierten. Einige Tage später wurde mir auf Anraten der Ärzte ein Port implantiert. Das war zwar nicht sehr angenehm, erwies sich aber im Verlauf als sehr nützlich, da nicht bei jeder Blutentnahme etc. eine Vene neu angestochen werden musste.

Die sachlich kühle Prognose des Chefarztes des örtlichen Krankenhauses sah sehr schlecht aus — keine Möglichkeit zur Heilung; und das, obwohl ich doch gerade erst meine Pensionierung genießen wollte.

Hilfreich war dagegen die Tatkraft meines neuen Hausarztes, der mit uns zusammen die Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten auf den Weg brachte und für mich kurzfristig einen Termin in einem bundesweit anerkannten Krebszentrum einrichten konnte.

Die Vorstellung beim dortigen Chefarzt der Chirurgie Anfang Juli 2015 war auch nicht sehr verheißungsvoll. Ohne eine vorherige systemische Chemotherapie wolle auch er keinen chirurgischen Eingriff vornehmen. Was mich bei den Aussagen dieses Professors am meisten verunsicherte und Anlass zu Niedergeschlagenheit gab war seine Auffassung, meine Lebenserwartung sei auf ein bis drei Jahre begrenzt. Das musste ich erst einmal schlucken.

Als ein weiterer Professor eines anderen Leberzentrums auch zunächst zu einer Chemotherapie riet, stimmte ich zu und erhielt von Juli bis Ende September vier Zyklen Chemotherapie mit Cisplatin und Gemcitabine im örtlichen Krankenhaus, die ich ohne große Nebenwirkungen gut vertrug.

Die Tumore verkleinerten sich und der zuerst befragte Chefarzt nahm im November eine erste OP vor, bei der der linke Leberlappen entfernt wurde. Die Operation selbst verlief ohne Komplikationen. Es machte mir neue Hoffnung, dass bei der Sonografie während der OP keine weiteren Herde mehr zu finden waren.

Eine kleine Wundheilungsstörung an der doch größer als von mir erwarteten Narbe war bis Weihnachten verheilt, und zwar mit Hilfe von Spülungen, Silberalginat und Klammerpflaster im örtlichen Krankenhaus.

Was mir einen neuen Schuss vor den Bug versetzte, war die Kontrolluntersuchung mit MRT Anfang Februar 2016: erneut Tumore im rechten Leberlappen. In meinen Augen waren das aber keine Neubildungen, sondern die bereits vorhandenen, die sich durch die Chemotherapie zurückgebildet hatten und nun wieder wuchsen. Folglich eine erneute OP Ende Februar- der gleiche Schnitt noch einmal. Dabei konnten 4 Metastasen entfernt werden. Diesmal gab es keine Wundheilungsstörung und ich erholte mich wesentlich schneller.

Mir war bekannt, dass wegen ihrer ungünstigen Lage 2 Tumore nicht entfernt werden konnten. Zu deren Entfernung wurde mir das sog. Afterloading- Verfahren angeboten. Dabei wird mittels einer durch die Bauchdecke eingeführten Sonde der Tumor direkt bestrahlt.

Das Verfahren war nicht sehr angenehm, da es doch vor allem beim Ziehen der Sonde Schmerzen verursacht und nur eine örtliche Betäubung vorgenommen werden kann. Ich musste es im März und Juni 2016 über mich ergehen lassen. Die Nebenwirkung, ein Juckreiz in den Händen, ließ nach einigen Tagen nach und trat nur noch bei Berührung mit „heißen“ Gegenständen wie Kaffeebecher auf. Aber auch das ließ bald nach und ich erholte mich schnell.

Die nächste Kontrolluntersuchung war für den August vorgesehen. In dieser Zeit machte es mir am meisten zu schaffen, das ich nichts selbst gegen den Krebs unternehmen konnte. Ich erkundigte mich eingehend nach einer eventuellen Ernährungsumstellung, erhielt aber nirgendwo befriedigende Antworten. Abwechslungsreiche mediterrane Kost war die letzte Empfehlung, damit ich meinen Gewichtsverlust von 75 auf 68 Kilo langsam wieder aufbauen konnte. Inzwischen wiege ich wieder 70 Kilo und fühle mich bei meiner Körpergröße von 1,78 m wohl dabei.

Die bisherigen Therapien hatte ich in einer 600km entfernten Uniklinik vornehmen lassen, was mir im Laufe der Zeit doch zu aufwendig wurde. Nachdem im August 2016 erneut ein Tumor festgestellt wurde, ließ ich die darauf folgenden 3 Chemoembolisationen mit Gemcitabine und Cisplatin in einer 150 km entfernten Uniklinik vornehmen. Im Zuge der ersten Behandlung dort stellte man fest, dass die Schwellung an meinem linken Schulterblatt eine Absiedelung des Tumors ist. Seitdem bekomme ich alle vier Wochen eine Spritze mit Denosumab und nehme täglich eine Calcium-Brausetablette zu mir, um weitere derartige Absiedelungen zu verhindern.

Es geht mir trotz allem gut, ich gehe zweimal wöchentlich zum Fitnesstraining und einmal wöchentlich zum Rehasport, um nicht „einzurosten“.

Nachdem meine dritte TACE, wie man die Chemoembolisation auch nennt, am 8.12.2016 stattgefunden hat, soll nach Absprache mit dem betreuenden Professor, der den verbliebenen Tumor unter Kontrolle sieht, die nächste MRT-Kontrolluntersuchung im März stattfinden.

Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass meine Krankheit kontrollierbar ist. Die letzten Untersuchungen haben keine neuen Herde gezeigt. Ich führe mein bisheriges Leben weiter, bin vielleicht etwas achtsamer und gehe besser mit mir selbst um.

Um überhaupt etwas zu tun, habe ich nacheinander zwei Kuren mit Naturheilmitteln gemacht: eine mit Flor Essence Tee und nach ein paar Wochen eine Kur mit „Oliphenolia“ bitter, dem Vegetationswasser, das bei der Kaltpressung von Oliven entsteht.

Beides ist mir gut bekommen, aber zur Wirksamkeit kann ich keine verlässlichen Aussagen machen.

Nun, ein Jahr nach der letzten OP, habe ich mir einen Narbenbruch zugezogen. Ich weiß nicht einmal, was die Ursache war. Der Arzt sagt, es besteht kein Handlungsbedarf. Vorsichtshalber habe ich mir eine Bruchbinde verschreiben lassen.

Johannes J.

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