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Allgemeines

Hepatitis C: Boceprevir in EU zugelassen

Zeichen für Telaprevir-Zulassung ebenfalls günstig

Der Proteasehemmer Boceprevir (Produktname Victrelis®) wurde kürzlich von der Europäischen Kommission zur Behandlung der Hepatitis C zugelassen, nachdem die europäische Arzneimittelbehörde EMA eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte.

Hier finden Sie die Pressemeldung der Herstellerfirma MSD vom 18.07.2011 zur EU-Zulassung von Boceprevir. Laut einer weiteren Pressemeldung des Herstellers vom 27.07.2011 per E-Mail ist Boceprevir inzwischen auf Rezept auch in Deutschland erhältlich.

Boceprevir behindert das Hepatitis-C-Virus direkt in seiner Vermehrung und wird mit Peg-Interferon und Ribavirin kombiniert. Dies verstärkt zwar die Nebenwirkungen der Therapie (vor allem Blutbildveränderungen und Geschmacksstörungen), die Heilungsraten der Dreifachtherapie sind allerdings auch deutlich höher. Die neue Substanz ist ausschließlich für die Therapie des Genotyps 1 zugelassen und darf auf keinen Fall alleine eingenommen werden, da das Virus sonst mutiert.

Boceprevir kann zusammen mit Peg-Interferon und Ribavirin erfolgreich bei unbehandelten ("therapienaiven")Patienten eingesetzt werden. Auch bei vorbehandelten Patienten, die vorübergehend oder teilweise auf Peg-Interferon und Ribavirin angesprochen haben ("Relapser" oder "Teilresponder"), verbessert Boceprevir die Heilungsraten deutlich.

Patienten, deren Vortherapie schon zur Woche 12 klar gescheitert war ("Null-Response"), dürfen zwar ebenfalls Boceprevir einnehmen, allerdings wurde diese Gruppe in den Zulassungsstudien nicht untersucht. Bis für diese schwierig therapierbare Gruppe überzeugende Daten vorliegen, rät die Deutsche Leberhilfe e.V. Null-Respondern eher zur Zurückhaltung mit Boceprevir.

Für einen weiteren Proteasehemmer stehen die Zeichen ebenfalls günstig: Für Telaprevir (Produktname Incivo®) sprach das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA nun eine "positive Meinung" aus. Das Kommitee empfiehlt, auch diese Substanz für den Genotyp 1 der Hepatitis C zuzulassen. Telaprevir muss ebenso wie Boceprevir mit Peg-Interferon und Ribavirin kombiniert werden, als Einzelsubstanz funktioniert es nicht. Zusätzliche Nebenwirkungen von Telaprevir umfassen vor allem Hautausschläge und Blutbildveränderungen. Auch hier sind jedoch die Heilungsraten deutlich höher.

Hier finden Sie die Meldung der Europäischen Arzneimittelbehörde zur positiven CMHP-Meinung über Telaprevir.

Sowohl Boceprevir als auch Telaprevir wurden im Mai 2011 bereits in den USA zugelassen. Die Therapie muss von erfahrenen Ärzten überwacht und begleitet werden, da es durch die neuen Substanzen zu Resistenzen und zusätzlichen Nebenwirkungen kommen kann. Vorsicht ist geboten, wenn Patienten aufgrund weiterer Krankheiten/Beschwerden noch andere Medikamente einnehmen, da es hier zu Wechselwirkungen kommen kann. Auf der Webseite http://www.hep-druginteractions.org/Interactions.aspx finden Sie eine aktuelle Liste, welche Medikamente nicht oder nur eingeschränkt gleichzeitig mit Boceprevir oder Telaprevir eingenommen werden dürfen.

Die Einführung der neuen HCV-Substanzen ist der Beginn einer neuen Ära in der Hepatitis-C-Therapie. Peg-Interferon und Ribavirin bleiben vorerst noch unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung, die Heilungsraten beim Genotyp 1 sind nun  jedoch höher als je zuvor.

Deutsche Leberhilfe e.V.

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