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Hepatitis C auf dem AASLD 2011: Silymarin-Kapseln unwirksam, Interferon-freie Therapien ab 2015?
San Francisco/Köln, 14. Dezember 2012. Auf dem amerikanischen Leberkongress AASLD gab es zwei wichtige Nachrichten für Hepatitis-C-Patienten:
Die gute Nachricht: Die ersten Interferon-freien Hepatitis-C-Therapien könnten schon 2015 auf den Markt kommen. Aktuell werden zahlreiche Substanzen in Phase-II-Studien getestet. "Phase II" bedeutet, dass man dies bis jetzt erst bei kleinen Patientenzahlen untersucht hat und noch herausfinden muss, was die beste Dosis und Therapiedauer ist. Viele dieser Substanzen benötigen jedoch weiterhin Ribavirin als Kombinationsmedikament. Einige dieser neuartigen Wirkstoffe (PSI-7977 + Ribavirin, Asunaprevir + Daclatasvir, BI 201335 + BI 207127 +/- Ribavirin u.a.) sind in den Phase-II-Studien so erfolgreich, dass wohl bald auch Phase-III-Zulassungsstudien mit größeren Patientenzahlen beginnen werden. Wenn auch diese Studien erfolgreich abgeschlossen sind und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auftreten, können die Herstellerfirmen eine Marktzulassung beantragen. Die amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) hat bereits signalisiert, dass einige der neuartigen Substanzen ein beschleunigtes Zulassungsverfahren erhalten könnten. Es ist zu hoffen, dass auch die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) dem ähnlich offen gegenübersteht. Unser europäischer Dachverband ELPA steht mit der EMA diesbezüglich in Kontakt.
Die schlechte Nachricht betrifft den Mariendistel-Extrakt Silymarin: Als Kapsel ist Silymarin bei Hepatitis C selbst in Hochdosis wirkungslos. Dies wurde nun in einer Studie bei Hepatitis-C-Patienten gezeigt, welche Silymarin mit Placebo verglich. Selbst in viereinhalb- bis siebeneinhalbfach höherer Dosierung zeigten die Silymarin-Kapseln bei dieser Patientengruppe keine Wirkung: Weder die Viruslast, noch die Leberwerte, nicht einmal die Lebensqualität waren besser als unter Placebo. Die Studie wurde von der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH durchgeführt, welche eine eigene Abteilung für alternative Medizin betreibt. An der Neutralität der Studie besteht für uns kein Zweifel.
Auf der Konferenz erklärte der Studienleiter Prof. Fried, USA, dass dieses schlechte Ergebnis nur für die orale Form von Silymarin gilt (also Kapseln bzw. Tabletten). Ganz anders sieht es beim intravenös gegebenen Silibinin aus, einer anderen, allerdings sehr teuren Verarbeitungsform der Mariendistel. Silibinin kann die Hepatitis-C-Virusmenge erwiesenermaßen senken, obwohl dies alleine nicht zu einer Heilung ausreicht; Silibinin wird derzeit in Verbindung mit Interferon-Therapien untersucht, aber auch bei Transplantationen, um eine erneute Infektion mit Hepatitis C zu vermeiden.
Deutsche Leberhilfe e.V.
Quellen in englischer Sprache:
Übersicht zu zahlreichen Hepatitis-C-Studien mit neuen Substanzen, mit und ohne Interferon
Präsentation der Silymarin-Studie (Prof. Michael Fried, USA)




