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Neue Hepatitis-C-Medikamente: Beratergremium der FDA empfiehlt Zulassung
Silver Spring, Maryland (USA). Für Hepatitis-C-Patienten mit dem Genotyp 1 wird sich die Therapie wohl noch in diesem Jahr ändern: Zusätzlich zum Peg-Interferon und Ribavirin werden bald zwei Proteasehemmer verfügbar sein. Ein 18-köpfiges Expertengremium der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) sprach sich Ende April 2011 einstimmig dafür aus, die Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir gegen Hepatitis C zuzulassen. Am 13. und 23. Mai soll die FDA nun über die Zulassung der zwei Substanzen in den USA entscheiden.
In der EU ist die europäische Arzneimittelbehörde EMA für die Zulassung zuständig. Es wird erwartet, dass die europäische Zulassung beider Substanzen im Herbst 2011 stattfindet. Spätestens im ersten Quartal 2012 dürften die verschreibungspflichtigen Medikamente auch in deutschen Apotheken allgemein verfügbar sein.
Boceprevir und Telaprevir blockieren die Virusvermehrung und werden auch als direkt antivirale Substanzen (DAAs) bezeichnet.
Beide Medikamente sind speziell gegen den HCV-Genotyp 1 gerichtet. Für alle anderen Genotypen bleibt die Therapie also auch nach der Zulassung von Boceprevir und Telaprevir vorerst unverändert.
Da das Hepatitis-C-Virus sehr rasch mutiert, kann man diese Substanzen nicht alleine geben, da es sonst innerhalb weniger Tage bzw. Wochen zu resistenten Viren kommt. Zusammen mit Peg-Interferon und Ribavirin erhöhen die Proteasehemmer jedoch die Heilungschancen deutlich.
Insbesondere ehemalige Relapse-Patienten mit dem Genotyp 1, die nach einer Interferon/Ribavirin-Therapie einen Rückfall erlitten haben, haben mit diesen Dreifachtherapien bessere Heilungschancen zwischen 65 bis 80% (bisher: 20–30%). Die Heilungschancen von bisher unbehandelten („therapienaiven“) Patienten sind ähnlich hoch.
So genannte „Null-Responder“ mit dem Genotyp 1 – also Patienten, bei denen eine Vortherapie schon zur zwölften Woche klar gescheitert war und abgebrochen wurde, – haben mit der Telaprevir-Dreifachtherapie etwa 30% Heilungschancen. Bislang waren die Heilungsaussichten einer erneuten Therapie bei diesen Betroffenen sehr gering.
Für Boceprevir bei Null-Respondern gibt es aktuell keine Daten, da diese in den Zulassungsstudien nicht untersucht wurden.
Nachteile der neuen Substanzen sind – neben möglichen Virusresistenzen – zusätzliche Nebenwirkungen, die zu den Begleiterscheinungen von Peg-Interferon und Ribavirin hinzukommen. Boceprevir führt häufig zu Blutarmut (Anämie) und Geschmacksveränderungen (Dysgeusie). Telaprevir kann ebenfalls die Anämie verstärken und führt bei über der Hälfte der Patienten zu Hautausschlägen („Rash“), weswegen eine Zusammenarbeit von Hepatologen mit Hautärzten wichtig ist. Unklar ist bei beiden Substanzen auch, inwieweit diese Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben können, wie z.B. Blutdrucksenkern, Antihistamika, der Pille, Benzodiazepinen, Johanniskraut und vielen anderen. Daher sind gründliche Vorgespräche und eine sorgfältige Therapiebetreuung durch erfahrene Ärzte notwendig.
Boceprevir bzw. Telaprevir müssen dreimal täglich zu festen Zeitpunkten als Tablette eingenommen werden. Voraussichtlich werden die Proteasehemmer als drittes Medikament nicht über die ganze Therapiezeit hinzugegeben. Die Dauer der Dreifachtherapie beträgt bis zu 48 Wochen, kann aber bei einem Teil der Patienten auf 24, 28 oder 36 Wochen verkürzt werden. Wie lange die Proteasehemmer hinzugegeben werden und wann die Therapie bei wem verkürzt werden darf, hängt davon ab,
- ob Boceprevir oder Telaprevir eingesetzt wird
- welche Vorgeschichte die Patienten haben (z.B. erfolglose Vortherapie)
- wie schnell oder langsam das Virus auf die Dreifach-Therapie anspricht.
Zahlreiche weitere, neuartige Substanzen gegen Hepatitis C sind in klinischer Forschung: Hierzu gehören u.a. weitere Proteasehemmer, Polymerasehemmer, Cyclophilin-Hemmer sowie neuartige Interferone. Einige dieser Substanzen wirken gegen mehrere Genotypen und könnten die HCV-Therapie in den nächsten fünf bis zehn Jahren erneut revolutionieren. Längerfristig besteht auch Hoffnung auf Kombinationstherapien ohne Peg-Interferon, bei denen mehrere direkt antivirale Substanzen miteinander kombiniert werden. Die Forschung steht hier jedoch noch am Anfang.
Deutsche Leberhilfe e.V.
Link: Bericht vom FDA-Hearing in englischer Sprache auf natap.org




